Die Osterbotschaft von Papst Leo IV. ist so wichtig wie lange nicht
Papst Leo XIV. macht vieles anders als sein Vorgänger. Er trägt ein goldenes Brustkreuz anstatt eines aus Blech. Er lebt im Apostolischen Palast anstatt im Gästehaus des Vatikan. Sein Ausdruck ist behutsam und nicht polemisch, wie oft bei Papst Franziskus. Der Papst aus den USA fährt auf seiner ersten eigenen Apostolischen Reise ins Millionärs-Fürstentum Monaco und nicht auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa. Dorthin wird auch Leo im Sommer reisen. Aber er mag offenbar die ganz große Geste nicht, die Franziskus so lieb war.
Dieser Papst legt mehr Wert auf Substanz, Tradition, Theologie. Leo XIV. ist vorsichtiger. Wo Franziskus der eigenen Kurie eine ganze Reihe von Krankheiten attestierte und die Auswüchse des Priestertums öffentlich kritisierte, ist sein Nachfolger auf Kooperation mit dem Klerus aus. Leo wäscht am Gründonnerstag katholischen Priestern die Füße und nicht Häftlingen oder Flüchtlingen. Franziskus kam mit seiner Systemkritik in der säkularisierten Welt gut an. Leo ist ein Papst für die Kirche selbst.
Franziskus war zuletzt zu schwach gewesen
Und nun das: Papst Leo XIV. trägt das Kreuz. Am Karfreitag, dem Tag, an dem die christlichen Kirchen dem Leidensweg Jesu vor seiner Ermordung gedenken, holt Leo zur ganz großen Geste aus. Das wäre vermeintlich eher etwas für Franziskus gewesen, den Mann der großen Inszenierung. Franziskus, der am Ostermontag vor einem Jahr verstarb, trug aber nie das Karfreitagskreuz. In den vergangenen Jahren konnte er aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr am Kreuzweg am Kolosseum teilnehmen. Jetzt ist mit Leo ein gesunder Papst im Amt. Auch er weiß sich zu inszenieren. Aber er macht das sehr dosiert.
Mit seiner Geste steht Leo in der Tradition Johannes Paul II. und Benedikt XVI., in den ersten Jahren seines Pontifikats. Beide Päpste waren große, umstrittene Konservative. Auch Leo ist ein Konservativer. Er versteht wohl die Notwendigkeit der Veränderung, merkt aber, dass die Kirche ein sehr großes und langsames Schiff ist, das einen klaren Kurs und inneren Frieden braucht. Mit seiner Karfreitagsgeste gibt sich Leo radikal. Er steht da als geplagter Vertreter Jesu, des Mannes, der die Leiden der Welt auf sich genommen hat. Das ist eine der frohen Botschaften des Evangeliums: Jesus lindert unser Leid, wenn wir es wagen, uns ihm anzuvertrauen.
Jesus als Gegenentwurf zu blinder Brutalität
Dieser Jesus-Papst ist angesichts der politischen Weltlage mit gnadenlosen Kriegen ein starkes Bild. Despoten wie Donald Trump, Wladimir Putin und auch Benjamin Netanjahu bestimmen nicht nur die Schlagzeilen, sondern auch die Lebensrealität vieler Menschen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Jesus ist der Gegenentwurf zu dieser blinden Brutalität. Papst Leo hat ihn gerade erst als „König des Friedens“ gelobt. „Gott ist Liebe! Habt Erbarmen! Legt eure Waffen nieder! Denkt daran, dass ihr Brüder und Schwestern seid“, mahnte der Papst. Seine Kreuz-Geste ist in diesem Zusammenhang kein traditionalistischer Exzess. Sie ist ein tiefer, spiritueller Appell.
Es liegt kreuzfalsch, wer wie US-Verteidigungsminister Pete Hegseth Gott um „überwältigende Gewalt gegen jene, die kein Erbarmen verdienen“ bittet. Das ist das Mittelalter der Kreuzzüge. Das Evangelium hingegen ist ein Plädoyer für Gewaltlosigkeit, Brüderlichkeit, Barmherzigkeit. Da kann man mit der Institution Kirche noch so übers Kreuz liegen. Die Menschheit braucht solche Botschaften. Der Papst aus Chicago wird gesehen und gehört, gerade auch in Washington. Am Sonntag verkündet er seine Osterbotschaft. Sie ist so wichtig wie lange nicht.
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