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Woher stammt der Name der Marienschlucht? Die Antwort darauf ist eine romantische Geschichte

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Ein Kunstwerk verweist auf den Namen: Kurz nachdem Wanderer, von unten kommend, den neuen Weg durch die Marienschlucht betreten haben, sollten sie auf die westliche Felswand unter dem Stahlsteg blicken. Dort ist ein in die Felswand eingelassenes Relief zu erkennen, das die Muttergottes mit dem Jesuskind zeigt. Vom alten Weg aus war es besser zu erkennen, aber bis heute erinnert es daran, dass das beliebte Ausflugsziel einen besonderen Namen hat. Doch warum heißt es eigentlich Marienschlucht?

Zunächst stand eine irdische Maria im Mittelpunkt

Ein Hinweis gibt der ursprüngliche Name des Orts: Maria-Schlucht. Das legt nahe, dass es da um eine ganz konkrete, irdische Maria ging – und in der Tat, es finden sich in alten Unterlagen Hinweise genau darauf. Der Ideengeber war Johann Franz Freiherr von Bodman, Urgroßvater des heutigen Familienoberhaupts Wilderich Graf von und zu Bodman, der die Schlucht erstmals zugänglich machte – sie liegt auf einer Fläche, die bis heute dem Adelshaus gehört.

Anlass für den Bau des ersten Weges durch die idyllisch-wilde Klamm war die Verlobung von Franz' Sohn Othmar mit Maria von Waldersdorff, 1897 wurde die Passage eröffnet. Um den Anlass in Erinnerung zu halten und zugleich seine Schwiegertochter zu ehren, entschied sich Franz von Bodman für den Namen Maria-Schlucht. Er ist bis heute gelegentlich zu finden, zum Beispiel auf einer alten Orientierungstafel auf dem Parkplatz bei Langenrain.

Maria-Schlucht oder Mariaschlucht, beide Schreibweisen sind belegt, verschliff sich irgendwann zu Marienschlucht, wie der Ort heute offiziell heißt. So ist er auch in der amtlichen topografischen Karte des Landes Baden-Württemberg vermerkt, und auch alle Wegweiser nutzen diese Namensform. Immerhin ist die Passage auch Teil des Premium-Wanderwegs „Seegang“ von Konstanz nach Überlingen, der mit der Wiedereröffnung am 28. März auch eines seiner attraktivsten Teilstücke zurückbekommt.

Inzwischen hat der Name eher religiöse Bezüge

Die Namensgeberin ist 1957 gestorben, und die Familie Bodman entschied sich, diesen besonderen Ort der himmlischen Maria zu widmen. Das schöne Relief hat sie bei dem damals noch jungen und heute überregional renommierten Künstler Markus Daum aus Radolfzell in Auftrag gegeben. 1986 wurde der massive Stein im Molassefels verankert.

Dort bleibt er auch – ein Ausbau und eine Versetzung an einen vom neuen Weg besser einsehbaren Ort hätte das Kunstwerk womöglich zerstört. Aber wer genau hinschaut, kann das Relief noch gut erkennen. Und wird vielleicht an die Liebe zweier Menschen vor über 125 Jahren denken, einen Moment der Besinnung einlegen – oder einfach Dankbarkeit empfinden für dieses besonders schöne Stückchen Erde.

Jörg-Peter Rau Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

78476 Allensbach Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

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© Südkurier