Biesinger Kirche soll im Dorf bleiben: Bürger gründen einen Förderverein
Nachdem die evangelischen Kirchengebäude in Bräunlingen, Unterkirnach und die Lukaskirche in Villingen-Schwenningen durch Entwidmung und Verkauf ihrer Funktion als sakrale Gebäude enthoben wurden, soll dieses Schicksal der evangelischen Kirche in Biesingen erspart bleiben.
Zur Vorgeschiche: Der Oberkirchenrat in Karlsruhe hatte in enger Abstimmung mit dem Bezirkskirchenrat in Villingen die „Beampelung“ von Gebäuden auf den Weg gebracht hat. Damit zogen düstere Wolken über das 1912 nach dem Dorfbrand neu erstellte Kirchlein in Biesingen auf. Hier zeigte die Ampel nämlich „rot“. Das bedeutet, dass in Zukunft keine Gelder mehr zum Erhalt und Unterhalt des Kirchengebäudes aus Karlsruhe fließen werden. Im benachbarten Oberbaldingen wurde in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand an Eigenleistungen und noch mit Unterstützung der Landeskirche das Kirchengebäude einer Generalsanierung unterzogen.
Das 1983 sanierte Gebäude fiel 1902 einem Dorfbrand zum Opfer und wurde seinerzeit mit Hilfe der umliegenden Dörfer wieder errichtet. Es gibt ähnliche Kirchen des Baumeisters Rudolf Burckhardt, die im badischen Land erbaut wurden und in denen sich Elemente wie Kanzel, Altar und Türen oder auch der Gibelwalm oder die doppelten Spitzbogenfenster identisch wiederfinden. Die Turmuhr, welche die Stunden, auch akustisch wahrnehmbar, anzeigt, wird täglich von Hand aufgezogen. Wer sich näher mit der Geschichte der Biesinger Kirche beschäftigen möchte, hat anlässlich des Dorffestes am 07. Juni 2026 Gelegenheit dazu. Das erwähnte Informationsblatt steht auf der Homepage www.kirche-oberbaldingen.de zum Herunterladen bereit und kann auch noch dem eingedruckten Termin zurückgegeben werden.
Die Ampel steht auf rot
Viele Biesinger Bürger hätten sich gewünscht, wenn auch ihrer Kirche eine Renovierung zuteil geworden wäre. Nun aber gilt es jedoch im wahrsten Sinn des Wortes die „Kirche im Dorf“ zu lassen. Hierzu lud vor einem Jahr die evangelische Kirchengemeinde Oberbaldingen als Eigentümerin der Kirche zu einer Infoveranstaltung ein. Über 70 Personen bekundeten seinerzeit Interesse. Diese erkleckliche Zahl machte Mut und inzwischen hat sich eine Gruppe von Personen gefunden, die ausloten möchte, welche Möglichkeiten für den langfristigen Erhalt der Kirche denkbar sind. Immerhin müssen gut 15.000 Euro pro Jahr für Unterhalt und Rücklagen aufgebracht werden.
Damit könnte die Biesinger Kirche ihre Funktion als Gottesdienstraum auch in Zukunft behalten. Eine Anfrage beim Oberkirchenrat, ob für die Kirche wegen ihres ortsbildprägenden Charakters der Ausnahmeparagraf bei Ampelstellung „rot“ zum Tragen käme, wurde abschlägig beschieden. Die finanzielle Entwicklung der Landeskirche hat sich so verschlechtert, dass aus diesem Topf keine Mittel mehr fließen.
Eine weitere Anfrage beim Bezirkskirchenrat und Dekanat wurde auch von Pfarrer Jonathan Richter, Bürgermeister Jonathan Berggötz und Ortsvorsteherin Tatjana Tröster mit unterschrieben. Hier steht die Antwort noch aus. Um aber Möglichkeiten des Erhalts auszuloten haben sich engagierte Gemeindeglieder als „Arbeitskreise Biesinger Kirche“ zusammen gesetzt und ein erstes Informationsblatt gestaltet. Vier Fragen stehen im Zentrum des Fragebogens, den Carolin und Bernhard Vosseler in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER vorstellten.
Viele Frage zu beantworten
Ob die bloße Mitgliedschaft in einem zu gründeten Förderverein, ob wiederholte finanzielle Unterstützung, ob handwerkliches Engagement in und um das Gebäude oder eine inhaltliche Mitarbeit an einem Nutzungskonzept als möglich angesehen wird, gilt es zu beantworten. „Derzeit steht die Kirche ja schon an Sonntagen auch ohne Gottesdienst für das stille Gebet offen!“, so Bernhard Vosseler.
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