Hohe Spendenbereitschaft: Nudeln, Reis, Öl und Konserven helfen weiter
Eben hat ein Mann seinen Wagen auf dem Parkplatz von Edeka-Sulger an der Mangoldstraße abgestellt. Nun strebt er auf den Seiteneingang des Einkaufsmarktes zu. Kurz vor der Glastür spricht ihn der 14-jährige Nils an. „Hallo! Wir sind die Markdorfer Ministranten und wir sammeln hier heute für die Markdorfer Tafel.“ Eigentlich will Nils noch erläutern, mit welcher Art von Lebensmittel den Helfern in der Tafel besonders gedient ist - mit Haltbarem wie zum Beispiel Nudeln, Reis, Konserven, aber auch mit Hygieneartikeln. Doch der Mann winkt ab. „Tut mir leid - ich hab's sehr eilig.“
Konfitüre kann jeder gebrauchen
Das sei an diesem Samstagvormittag die Ausnahme, erklärt Nico Kley, einer der die Spendenaktion vor dem Lebensmittelmarkt begleitenden Ministranten-Leiter. Die allermeisten Kunden blieben stehen, nähmen sich die Zeit, um zuzuhören. „Und viele halten es für schön, dass wir helfen wollen.“ Das seien auch die, die sich erkundigen, was sie von ihrem Einkauf mitbringen sollen, um es in die großen Kunststoffkisten zu den anderen Spenden zu legen.
Zwei Gläser mit Konfitüre hat Markus Rief hineingetan. „Was fürs Frühstück kann man immer gut gebrauchen“, erklärt er. „Dass die Jungs sich hier für eine gute Sache einbringen, finde ich ganz prima“, freut sich Rief. Und wie gut diese Sache ist, das sei ihm wohlbekannt, habe sich seine Mutter doch auch schon bei der Tafel ehrenamtlich eingebracht.
Unterstützung ist wertvoll
Manuel Strasser blickt aus einer anderen Perspektive auf die Arbeit der gemeinnützigen Hilfsorganisation. Manuel Strasser ist Bürgermeister in Daisendorf. „Ich weiß, wie sinnvoll die Unterstützung von Hilfsbedürftigen in unseren Gemeinden ist“, sagt der Kommunalpolitiker, der zusammen mit seiner Frau Birgit zum Einkauf nach Markdorf gekommen ist. Und die beiden kündigen den Ministranten an, was aus dem Geschäft mitzubringen.
Die von der Zukunftswerkstatt getragene Tafel hat laut der Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Statistik rund 280 Kunden, an die ein zum Einkauf berechtigter Tafelausweis ausgegeben worden ist. Zum Kreis der Kunden gehören Einzelpersonen, aber auch Familien. Sodass sich die Zahl der Lebensmittelempfänger auf etwa 750 Menschen erhöht. Die Tafel hat 80 Mitarbeiter. Die Mehrheit der Tafelkunden wohnt in Markdorf. Es folgen Salem, Bermatingen und Immenstaad. Nach Nationalitäten aufgelistet, stellen die Ukrainer die größte Empfängergruppe dar, gefolgt von Deutschen, Türken und Syrern. Der die Tafel tragende Verein „Zukunftswerkstatt“, informiert regelmäßig, wie viel Essbares in den Müll kommt. Den Löwenanteil davon tragen zwar die privaten Haushalte, 6,3 Millionen Tonnen im Jahr; in der Produktion, bei der Verarbeitung und im Handel wandern weitere 2,6 Millionen Tonnen auf den Müll. Und auch hier setzt die Tafel an - im Kampf gegen die Ressourcen verbrauchende Lebensmittelverschwendung. Weitere Informationen zur Arbeit der Tafel unter: https://tafel.ekima.de
Begeistert vom Tun der Ministranten
Eine Antwort kommt immer wieder von den zum Tun der Ministranten befragten Kunden: die Begeisterung über das Engagement von Jugendlichen. „Ich finde es toll, dass die jungen Menschen ihre Augen nicht verschließen vor unseren sozialen Problemen - und auch noch etwas dagegen unternehmen“, erklärt Nina Eisenmann. Dieser Ansicht ist auch Johannes Balsliemke. Ihm gefällt gleichfalls, „wenn sich junge Leute für soziale Belange einbringen“.
Er erklärt's und beugt sich dann über eine der Spendenkisten, die vor dem Haupteingang des Einkaufsmarktes stehen. H-Milch, Nudeln, Reis, Zucker, Öl. Damit er weiß, was er mitbringen soll, lächelt er den Ministranten zu. Die haben übrigens auch eine Sparbüchse aufgestellt. Für jene, die lieber Geld geben möchten. Die Mehrheit der Kunden spendet jedoch lieber Waren. Und manch einer zeigt sich sogar recht froh, dass ihm die Ministranten durch ihre Aktion den Weg zum Tafelladen im Stadtgraben abnehmen.
Große Spendenbereitschaft in der Stadt
Ferdinand, 12, und Gabriel, 13, zeigen sich sehr zufrieden mit dem, was sie an gespendeten Lebensmitteln entgegennehmen durften. „Ja, ein wenig habe ich schon damit gerechnet, dass es wieder so viel wird“, erklärt Ferdinand. Er sei schon im vergangenen Jahr bei der Sammelaktion dabei gewesen. Und da habe eine ähnlich große Spendenbereitschaft geherrscht.
Noch zufriedener zeigt sich am Mittag Günther Wieth, der Leiter der Tafel. „Für uns ist das eine ungeheure Hilfe - vor allem bei den haltbaren Lebensmitteln, die wir ja nicht von den Geschäften erhalten.“ Die räumen nur aus ihren Regalen, was das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht hat. Und „in Zeiten, in denen die Ellenbogenmentalität bei uns immer weiter zunimmt“, freut sich Wieth über den Einsatz der Jugendlichen für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ganz besonders.
Jörg Büsche Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
Nudel Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
Konserve Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
