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Familientreffen unter zuckendem Blaulicht

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23.03.2026

Sie nennen sich Blaulichtfamilie. Und wie sehr Feuerwehr, Rotes Kreuz sowie Polizei miteinander verbunden, genauer gesagt miteinander vertraut sind, das war beim jüngsten Blaulichttag auf dem Markdorfer Marktplatz deutlich zu spüren. Da standen die Helfer der Rettungsdienste und die Beamten der Polizei beieinander und waren vertieft ins Gespräch; indes auch mit den Besuchern. Die hatten sich zahlreich eingefunden, um mehr über den teils freiwilligen Dienst bei DRK und Feuerwehr zu erfahren, teils zum Beruf gemacht bei der Polizei.

Fragen beantworteten jedoch auch andere Helfer. Etwa die vom Technischen Hilfswerk (THW) oder die von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) oder auch jene vom Zivilschutz des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Überdies vertreten auf dem Platz im Schatten der Markdorfer Hauptkirche waren die Helfer der beiden Nachsorgedienste im Bodenseekreis. Sowohl jene, die nach belastenden Einsätzen für die Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten bereits stehen, als auch jene Notfallnachsorger, die den Unfallopern, den Opfern von Verbrechen, überhaupt Menschen in tiefen persönlichen Krisen zur Seite stehen. Diese Notfallseelsorge geschieht in enger Zusammenarbeit der beiden großen Kirchen im Bodenseekreis. Auch deshalb endete der Blaulichttag unter lichtem blauem Himmel schließlich mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St.-Nikolaus-Kirche.

Seit 2007 kooperieren die evangelische und die katholische Kirche im Bodenseekreis bei der Notfallseelsorge, dies in ebenso enger Zusammenarbeit mit DRK und Johannitern. Nach schweren Unfällen, Verbrechen oder Naturkatastrophen helfen sie den Einsatzkräften von Feuerwehr, DRK und Johannitern sowie denen der Polizei traumatisierende Eindrücke zu verarbeiten. Notfallnachsorge wird ebenso für Opfer angeboten.

Monika Benmazit ist mit Fragen gekommen. „Ich möchte ganz einfach mehr erfahren über die Arbeit der Einsatzkräfte“, erklärt die junge Markdorferin, die ihr Kind mitgebracht hat. „Zum Beispiel, wie viel die Ausrüstung von den Polizeibeamten wiegt“. Stattliche 15 Kilogramm bringt allein die schusssichere Weste auf die Wage. Hinzu kommen noch andere Gerätschaften, die die Beamten bei ihren Einsätzen am Körper tragen. „Rund 27 Kilo sind das dann insgesamt“, erklärt Mirjam Hummel, Beamtin des Markdorfer Polizeipostens. Monika Benmzit zeigt sich beeindruckt. Nicht nur vom Gewicht der polizeilichen Dienstausrüstung, sondern auch vom Umfang der Hilfs- und Rettungsangebote. Sie begrüßt es sehr, „dass man den Einsatzdiensten hier auch mal jenseits der Notsituationen begegnen kann“.

Viel mehr als Seepferdchen

Das begrüßt auch Markus Rank, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Bermatingen-Markdorf. Eben hat er noch einen Rettungswurfsack aufgefangen. Das handliche grell-rote Bündel an der meterlangen Leine hatte ihm ein kleines Mädchen zugeworfen. Zugegebenermaßen ein wenig unbeholfen – doch für das Kind war es bloß ein mit augenscheinlich großem Spaß verbundenes Spiel. Während die Rettungsschwimmer der DLRG diesen Wurf regelmäßig üben, um sicherzustellen, dass die zu Rettenden den Wurfsack gleich beim ersten Versuch zu fassen bekommen und sofort aus dem Wasser gezogen werden können. „Wir müssen dann nicht hinein“, erläutert Markus Rank. Insbesondere in kaltem Wasser oder bei starker Strömung sei der Wurfsack überaus hilfreich. Ihn freut, dass der Ortsverein sich beim Blaulichttag öffentlich präsentieren kann: „Was wir tun, wissen ja die wenigsten“, sagt er. „Die meisten denken nur an Seepferdchen und Schwimmunterricht, wenn sie DLRG hören.“ Nicht zuletzt ziele der Auftritt beim Blaulichttag darauf ab, Bewusstsein für die Gefahren in und an Gewässern zu wecken und potenzielle Unterstützer für die Arbeit der DLRG anzusprechen.

Neue Mitstreiter gesucht

Um neue Mitglieder wirbt auch das DRK. „Einfach am Donnerstag kommen, zu unserem Bereitschaftsabend in der Rettungswache“, lädt Bernhard Heimböck ein. Neue Helfer könne auch das THW jederzeit gebrauchen, „obwohl wir aktuell personell recht gut aufgestellt sind“, erklärt Daniel Waschke, Ausbildungsbeauftragter des THW-Ortsvereins Überlingen.

Über Zuwachs in der Blaulichtfamilie freuen sich alle Organisationen. Und aus jeder Einzelnen ist auch zu hören, wie wichtig der familiäre Zusammenhalt ist. „Wir arbeiten gut zusammen“, erklärt Mirjam Hummel, „und je besser man sich kennt, umso reibungsloser laufen die Einsätze ab.“ Notfallnachsorger Ulrich Aeschbach erinnert daran, dass man die belastenden Folgen von Einsätzen immer im Blick behalten müsse, was „seit dem Überlinger Flugzeugunglück bei uns der Fall ist“.

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