menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Drohne in Leipzig, Niedrigwasser im Rhein: Plötzlich Krisenminister

31 0
11.08.2026

Man kann der Deutschen Bahn ja viel vorwerfen. Züge, die verspätet abfahren, Klimaanlagen, die nicht funktionieren, Sitzplatzreservierungen, die man trotz Buchung nicht bekommt, weil ein Wagen ausfällt. Was man ihr nicht vorwerfen kann: Sonderbehandlungen für besonders mächtige oder bekannte Fahrgäste. All das nämlich – verspätete Abfahrt, eine ausgefallene Klimaanlage zumindest in einem Abteil und die Suche nach einem neuen Platz – erlebt auch der Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), als er am Montag mit dem ICE von Berlin nach Hamburg fährt.

Immerhin: Die Bahn holt die Verspätung wieder auf und Bilger erreicht seinen Anschluss. Mit der Regionalbahn geht es von Pinneberg, einem Regionalbahnhof nordwestlich von Hamburg, weiter nach Kiel. Wegen Bauarbeiten kann der Zug nicht wie sonst vom Hamburger Hauptbahnhof aus fahren und dann startet er auch noch – man ahnt es – mit zehn Minuten Verspätung in Pinneberg. Bilger lächelt gelassen, als er mit Journalisten am Bahnsteig auf den Zug wartet. Diese Reise, sie beginnt schleppend. Und damit auch irgendwie authentisch.

Drohne in Leipzig, Niedrigwasser im Rhein: Da lastet ganz schön viel auf Bilger

Bilgers Amtszeit als Bundesverkehrsminister dagegen beginnt alles andere als schleppend. Das öffentliche Interesse an ihm war schon deshalb groß, weil sich der Bundeskanzler von dessen Vorgänger etwas, nun ja, unsanft trennte, eine Absage von seinem Wunschnachfolger kassierte und sich dann für Bilger entschied, der als ehemaliger Verkehrsstaatssekretär für das Amt wie geschaffen schien, schon länger dafür im Gespräch war und trotzdem erst über Umwege den Weg an die Ministeriumsspitze fand.

Vor allem ist Bilger aber gerade das, was Verkehrsminister sonst eher selten sind: Krisenmanager. Nach dem Fund der Sprengstoff-Drohne in Leipzig muss der 47-Jährige Antworten finden auf die Frage, wie Deutschland seine Flughäfen besser schützen kann – die liegen immerhin in seiner Verantwortung. Und dann ist da das Niedrigwasser. Die deutschen Flüsse sind nur noch eingeschränkt befahrbar. Auch das fällt in Bilgers Zuständigkeitsbereich. Ökonomen rechnen nun gar damit, dass die Krise das wenige Wirtschaftswachstum weiter drücken könnte, welches sie dem Land im Moment noch........

© Südkurier