Ein Fußabdruck des Teufels und Gemüse im Garten – Konrad Schatz kennt die Geheimnisse des Münsters
Konrad Schatz spielte und arbeitete im Konstanzer Münster. Als kleines Kind liebte er es, auf den Dachboden zu klettern. Er staunte über die gewaltige Holzkonstruktion und das hölzerne Tretrad dort, also den historischen Lastenaufzug. Der Großvater des heute 88-Jährigen war Mesner im Münster, der Vater war es, und er selbst schließlich ebenfalls – und das 50 Jahre lang. Er kennt jedes Geheimnis im Gotteshaus. Führungen durchs Münster mit ihm sind ein Erlebnis. Und natürlich geht es dabei auch um den angeblichen Fleck eines Steins im Hauptgang.
Während des Konstanzer Konzils, im Jahr 1415, wurde der tschechische Reformer Jan Hus hier als Ketzer zum Tode verurteilt. Es geht die Sage, dass sich der Boden unter Hus genau an der Stelle verfärbt haben soll, an der er das Urteil empfing. Schatz runzelt die Stirn. Dort, wo Hus gestanden haben soll, befinde sich tatsächlich eine Platte im Boden, die anders aussieht als die anderen. Im Hauptgang des Münsters liegen quaderförmige Steinplatten. Nur diese eine größere Stelle ist rau und abgesplittert und wirkt feucht.
Nach den Beschreibungen von Ulrich Richental, dem Chronisten des Konzils, soll genau hier der Platz gewesen sein, an dem Hus stand. Um diese Stelle entspann sich eine Sage. In dem Moment, indem der Reformator das Urteil erhielt, soll der Teufel aus ihm gefahren sein und die Platte sich dunkel gefärbt haben.
Gäste aus der Tschechischen Republik sehen das etwas anders, berichtet Schatz. Vor der feuchten Platte ist im Stein eine Metallscheibe eingelassen. Es handle sich um eine Mitra, die eine frühere Grabplatte schmückte, sagt Schatz. Besucher aus der Heimat von Hus seien davon überzeugt, dass der........
