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Kicken ist nicht nur was für Jungs: Warum Mädchenfußball in Stockach beliebt ist

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07.04.2026

Auf dem Hindelwanger Fußballplatz trainieren an diesem Nachmittag parallel 36 Mädchen der D-, C- und B-Juniorinnen der FSG Zizenhausen-Hindelwangen-Hoppetenzell. In der Fußballspielgemeinschaft wachsen sie zusammen und feiern Erfolge. Drei Mädchen, die Trainer und Jugendleiterin Anne-Catrin Roth erzählen, was das Vereinsleben für sie besonders macht.

Fußball hilft Mädchen, den Kopf freizukriegen

B-Jugendspielerin Pia Lüdtke, 16, spielt seit fünf Jahren hier. „Früher war ich bei den Jungs. Als mir das nicht mehr so viel Spaß gemacht hat, habe ich nur noch mit meinem Bruder gespielt, sonst war ich oft am Handy.“ Dann habe sie die „FSG Zi-Hi-Ho“ entdeckt, wo sie viele aus der Schule oder noch aus der Zeit im Kindergarten gekannt habe. Sie habe viele neue Freundschaften geschlossen. „Ich kann hier abschalten vom Schulstress und alles andere ausblenden. Ich freue mich immer aufs Training und die Spiele. Man lacht viel und hat immer was zu erzählen.“

Die 13-jährige Caroline Asoltanei ist Torwartin der C-Jugend. Sie kam vor zwei Jahren über Trainer Volker Lüdtke zur FSG. „Ich wollte von Anfang an Torwartin werden. Man muss mit der Mannschaft zusammenarbeiten können, vor allem mit der Abwehr. Ein paar Mädchen aus meiner Schule sind hier, eins aus meiner Klasse kam durch mich dazu.“ Fußball sei für sie auch Ablenkung vom Alltag. „Man konzentriert sich nur auf den Sport und kriegt den Kopf frei. Das entspannt mich.“

Seit drei Jahren ist Ainoa Fernandez, 12, im Verein. Sie spielt in der D-Jugend und mag es, mit der Mannschaft zusammen zu sein. Früher habe sie geturnt. „Mein Vater hat einen Zeitungsartikel über die FSG gelesen, deshalb bin ich zum Probetraining gegangen. Auch ihr gefalle die Abwechslung zur Schule: „Wenn man für Mathe paukt, kann man zwischendurch relaxen, das Gehirn entspannen und dann weiterlernen.“

Dass die Mädchen sich so wohlfühlen, liegt auch an den engagierten Trainern. D-Jugend-Trainer Arno Winkler ist am längsten da. Er sagt: „Wir sind der einzige Verein mit Mädchen-Teams im Umkreis von fast 20 Kilometern.“ Die Mädchen bräuchten keine Vorkenntnisse, denn er sagt: „Ich habe in meiner Jugend einen Trainer gehabt, der mir das Fußballspielen vermittelt hat. Ich bin über 30 Jahre Trainer und möchte das, was ich gekriegt habe und wovon ich profitiert habe, weitergeben.“ Sehr wichtig seien ihm Grundkenntnisse im Passspiel. „Wer saubere Pässe spielen kann, kann Fußball spielen und wird sich überall zeigen können.“

Sein Zeitaufwand ist recht hoch, wie er aufzählt: zwei Trainings, ein Spiel, 45 Minuten vor dem Training zum Aufbau, 30 Minuten nach dem Training für letzte Formalitäten wie Passanträge, Gespräche mit anderen Trainern und Organisatorisches. Zu Hause schreibe er Eltern, frage, wer zum nächsten Training komme, um besser planen zu können. Für ihn sei das selbstverständlich: „Dafür bin ich im Verein.“

Trainer vermitteln Werte fürs Leben

Co-Trainer Markus Trautmann stieß vor drei Jahren dazu, weil er die Chance sah, einen Stützpunkt für Mädchenfußball mitaufzubauen. Über ihn kam auch seine Tochter zum Fußball. Jungs hätten im Fußball oft einen Vorsprung aus der Schule, daher sei das Training der Mädchen anfangs umfangreicher. „Sie lernen neben dem Passspiel auch Einwurf und Eckball und wie sie den Gegner ins Abseits stellen können.“ Wichtig sei der Austausch der Trainer untereinander, weil alles aufeinander aufbaue. Als Vorteile des Sports sieht er den Aufbau von mehr Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Teamgefühl.

Volker Lüdtke, Trainer der C-Jugend und seit fünf Jahren dabei, erklärt, warum er sich engagiert: „Meine Grundidee war, die Mädels vom Handy wegzukriegen.“ Neben seinen praktischen Erfahrungen profitiere er von einem Trainer-Lehrgang beim VfR Stockach. Zu Werten, die ihm wichtig sind, zählt er Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und Kameradschaft. Er schätzt das familiäre Umfeld und den harmonischen Zusammenhalt aller Teams. Dafür steht auch sein Co-Trainer Kevin Roth, der zusätzlich als Torwarttrainer der C- und B-Jugend fungiert und seit Kurzem noch bei den Damen tätig ist. „So können wir eine Brücke bauen für die Mädchen, die aus der B-Jugend direkt in die Damenmannschaft kommen. Das ist manchmal ein heftiger Sprung.“

Weitere Mädels sind willkommen

Sina Müller, Kapitänin der Damen-Mannschaft, bestätigt, ihr Team habe eine Altersspanne von 16 Jahren bis Anfang 30. „Wir freuen uns immer, wenn neue dazukommen. Die Generationen kommen ganz gut miteinander aus, aber man muss auch ins Gespräch gehen, damit sich alle angenommen fühlen.“

Bei Problemen, Sorgen und Nöten sind alle Trainer sowie die Jugendleiterin für die Mädchen – und die Jungen, denn natürlich gibt es auch Jungenmannschaften - da. Anne-Catrin Roth kam erst im Frühjahr 2025 zum Verein und wurde drei Monate später bereits zur Jugendleiterin gewählt. „Der Verein war offen für Veränderungen und hat bewusst eine weibliche Führungskraft eingesetzt, um einen anderen Blick auf die Jugend zu haben.“

Sie betont: „Wir vermitteln unseren Kindern und Jugendlichen Werte wie Respekt, Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Vertrauen. Ein Team ist nur so stark wie das schwächste Glied. Das nimmt man an die Hand – und genau das macht unseren Verein aus. Ihr sei wichtig, einen geschützten Raum zu bieten. „Die Mädchen und Jungen wissen, sie können die Trainer oder mich jederzeit ansprechen.“ Auch die Eltern würden einbezogen, sie müssten wissen, was die Trainer tun.

Weil es unerwartet kalt ist, serviert Holger Hofmann, stellvertretender Vorsitzender des Hindelwanger SV, vor dem Clubhaus heißen Punsch. Markus Trautmann lobt: „Ohne Holger würde das Ganze nicht laufen. Das macht Vereinsleben aus. Hier wird rundum für jeden gesorgt.“

Die FSG Zizenhausen-Hindelwangen-Hoppetenzell hat weiterhin Bedarf an Trainern und Betreuern. Man sei immer auf der Suche nach Unterstützung, um die Gruppen zeitweilig teilen zu können, damit bestimmte Leistungsbereiche gezielter trainiert werden könnten. Auch Sponsoren seien willkommen. Interessenten dürften sich jederzeit melden. Wer zu einem Probetraining kommen möchte, ist ebenso gern gesehen. Informationen dazu gibt es bei Jugendleiterin Anne Roth (anneroth91@gmail.com).

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