Durchschlafstörungen: Warum man nachts immer wieder aufwacht
Vermutlich hat jeder Mensch in seinem Leben schon mal Nächte erlebt, in denen er schlecht geschlafen hat. Wer bisweilen zu wenig Schlaf bekommt, muss jedoch nicht automatisch befürchten, unter einer Störung zu leiden. Auch gelegentliches Aufwachen während der Nacht ist laut der Stiftung Gesundheitswissen grundsätzlich nicht problematisch – insofern der Schlaf insgesamt trotzdem als erholsam empfunden wird. Treten Probleme beim Durchschlafen allerdings über einen längeren Zeitraum mit daraus resultierenden Beschwerden am Tag auf, sollte das durchaus ernst genommen werden. Denn auf Dauer kann ein regelmäßiger Schlafmangel mit diversen gesundheitlichen Risiken einhergehen. Doch wodurch werden Durchschlafstörungen verursacht? Und was kann man dagegen tun?
Wie äußern sich Durchschlafstörungen?
Ein gestörter Schlaf kann in unterschiedlichen Formen auftreten. Das führende klinische Nachschlagewerk International Classification of Sleep Disorders (ICSD) unterscheidet Schlafstörungen in insgesamt sechs Kategorien. Zu der am häufigsten auftretenden Form zählen nach Angaben des Bundesverbands Schlafapnoe und Schlafstörungen Deutschland (BSD) dabei Probleme beim Ein- und Durchschlafen sowie frühes Erwachen. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „Insomnien“. Grundsätzlich können Insomnien in unterschiedlicher Art und Weise auftreten. Während manche Menschen abends lange wach liegen, haben andere zwar keine Probleme beim Einschlafen, wachen während der Nacht dafür aber mehrmals auf und tun sich schwer wieder einzuschlafen. Manche Menschen sind auch von einer Kombination aus Ein- und Durchschlafproblemen betroffen.
Eine Störung beim Durchschlafen ist kurz gesagt, also eine von mehreren Erscheinungsformen der Insomnie. Wer nachts hin und wieder schlecht schläft, hat vorerst jedoch keinen Grund zur Sorge. Von einer akuten Durchschlafstörung spricht man laut dem BSD erst, wenn Probleme beim Durchschlafen mindestens einen Monat lang mehr als dreimal pro Woche auftreten. Dauert die Störung länger als drei Monate an, spricht man von einer chronischen Insomnie – aber auch nur, „wenn die Schlafstörung mit negativen Auswirkungen auf das Erleben, Verhalten und Befinden am nächsten Tag einhergeht“, erklärt der BSD.
Menschen, die an einer akuten oder chronischen Schlafstörung leiden, können demnach diverse Beeinträchtigungen im Alltag verspüren. Nach Angaben der Stiftung Gesundheitswissen zählen zu den klassischen Symptomen unter anderem Müdigkeit, allgemeines Unwohlsein, Antriebslosigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisschwierigkeiten. Zudem können auch Hyperaktivität, Gereiztheit sowie Unzufriedenheit und Sorge über den Schlafmangel auftreten. Dabei ist es möglich, dass Durchschlafstörungen nicht immer gleich stark auftreten. Betroffene können jahrelang immer wieder unter Schlafstörungen leiden, aber trotzdem Phasen haben, in denen sie besser schlafen.
Risikofaktoren: Wodurch werden Durchschlafstörungen verursacht?
Bis heute sind Schlafstörungen nicht vollständig erforscht. Es sind jedoch zahlreiche verschiedene Ursachen bekannt, die zu Insomnien führen können. Dazu zählen unter anderem:
Gene: Wie der BSD informiert, sind Ein- und Durchschlafstörungen zum Großteil erblich bedingt. Demnach haben die Betroffenen häufig schon in ihrer Kindheit schlecht geschlafen. Außerdem kann laut der Stiftung Gesundheitswissen das Geschlecht eine Rolle spielen. Frauen sind demzufolge öfter von Schlafstörungen betroffen als Männer. Wobei sich hier die Frage stellt, ob das Geschlecht per se die Störung begünstigt oder die damit verbundene Rolle von Frauen in der Familie und im Berufsleben.
Persönlichkeit: Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können die Entstehung von Durchschlafstörungen begünstigen. Der Stiftung Gesundheitswissen zufolge gelten etwa ein geringes Selbstwertgefühl sowie ausgeprägter Perfektionismus als Risikofaktoren.
Erhöhte körperliche und psychische Anspannung: Eine permanente geistige und körperliche Angespanntheit führt laut dem BSD dazu, dass der „Schlaf sehr leicht, fragmentiert und wenig erholsam ist“.
Stress: Als eine der Hauptursachen von Durchschlafstörungen gilt dem BSD zufolge Stress. Dieser kann beispielsweise durch finanzielle Sorgen, Existenzängste oder allgemeine Überlastung ausgelöst werden. Die Betroffenen schütten dadurch bedingt mehr Stresshormone in der Nacht aus.
Umweltfaktoren: Manchmal stecken laut dem BSD hinter Insomnien aber auch einfach nur störende Einflüsse wie Lärm von draußen, schnarchende Bettpartner oder Licht.
Alter: Laut der Stiftung Gesundheitswissen leiden ältere Menschen häufiger an Durchschlafstörungen als junge. Das liege auch daran, dass sich der Schlaf im Alter grundsätzlich verändern kann. Demnach wacht man mit zunehmendem Alter häufiger auf und schläft insgesamt weniger tief. Auch die Einnahme von Medikamenten kann eine Rolle spielen.
Schlafstörende Verhaltensweisen: Dazu gehören dem BSD zufolge etwa nächtliches Grübeln, ständiges Kontrollieren der Uhrzeit oder der zwanghafte Versuch zu schlafen. Das wiederum kann laut Stiftung Gesundheitswissen in einem Teufelskreis enden: Das Grübeln und die Sorge über das Schlafdefizit verursachen eine dauerhafte Anspannung, die im Gegenzug zu schlechtem Schlaf führt.
Körperliche Ursachen: Der BSD nennt zahlreiche körperliche Faktoren, die den Schlaf beeinträchtigen können: unter anderem nächtlicher Harndrang, Allergien, Atemwegserkrankungen oder Sodbrennen.
Seelische Erkrankungen: Auch psychische Krankheiten wie Depressionen können laut dem BSD mit einer Schlafstörung einhergehen.
Aufwühlende Ereignisse: Manchmal steckt hinter einer Schlafstörung auch ein spezifisches erfreuliches oder unerfreuliches Ereignis. Wie die Stiftung Gesundheitswissen erklärt, können zum Beispiel Trennungen, der Verlust einer nahestehenden Person, aber auch Heirat oder Geburt Insomnien hervorrufen.
In manchen Fällen verschwindet die Schlafstörung, sobald die auslösende Ursache wegfällt oder sich die betroffene Person an die Gegebenheiten angepasst hat, erklärt die Stiftung Gesundheitswissen. Jedoch kann es vorkommen, dass die Störung bestehen bleibt. Wie die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) informiert, beruht die Störung in so einem Fall „auf Gewöhnungseffekten, die eine allgemeine Anspannung und ausgeprägte Angst vor Schlaflosigkeit hervorrufen“. Es gibt jedoch Verhaltensweisen, die eine solch erlernte Schlafstörung verbessern können.
Was hilft gegen Durchschlafstörungen?
Wer zu einem besseren Schlaf zurückfinden will, sollte laut der DGSM die Regeln der Schlafhygiene befolgen. Damit sind Verhaltensweisen gemeint, die einen gesunden Schlaf fördern. Auch wenn sie keine Garantie für einen guten Schlaf sind, können sie das Auftreten von Schlafstörungen unter Umständen verhindern. Ebenso sollte, wer bereits unter einem gestörten Schlaf leidet, einen Blick auf folgende Verhaltensregeln werfen:
Eine angenehme Schlafumgebung schaffen. Dazu gehören ein bequemes Bett, ein ruhiger, abgedunkelter Raum sowie die passende Temperatur (eher kühl als warm).
Sich an das gewohnte Essverhalten halten und beispielsweise auf üppige Mahlzeiten zu später Stunde verzichten, falls man dies nicht gewohnt ist.
Auf negative Stimulanzien wie koffeinhaltige Getränke vor dem Schlafengehen verzichten. „Koffeinsensible“ Menschen sollten bis mindestens elf Stunden vor der Schlafenszeit kein Koffein zu sich nehmen.
Auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichten, da Alkohol das Durchschlafen infolge von Schwitzen, Unruhe und Albträumen beeinträchtigen kann.
Auf Nikotin verzichten.
Regelmäßig Sport treiben und sich ausreichend bewegen, wobei darauf zu achten ist, dass die körperliche Anstrengung nicht ungewohnt belastend ist und in zu kurzem Abstand zur Schlafenszeit erfolgt.
Ein bewusster und offener Umgang mit Stress. Den Tag vor dem Schlafengehen gedanklich abschließen. Das Aufschreiben der Sorgen oder To-dos kann dabei helfen.
Laut dem BSD sind nicht-medikamentöse Therapien bei Schlafproblemen immer die erste Wahl. Die DSGM empfiehlt darüber hinaus verschiedene verhaltenstherapeutische Techniken, wie Bettzeitenrestriktion, Entspannungsübungen oder das Vermeiden vom Wachliegen im Bett. Im Falle von chronischen Schlafstörungen sollte jedoch stets professionelle Ursachenforschung betrieben werden, bevor therapeutische Maßnahmen zum Einsatz kommen.
Nur wenn die oben genannten Maßnahmen nicht helfen und sehr schwere Schlafprobleme vorliegen, kann laut dem BSD auf medikamentöse Behandlung zurückgegriffen werden. Wegen der einhergehenden Risiken und Nebenwirkungen von Schlafmitteln sollten diese jedoch nur zeitlich begrenzt eingenommen werden.
Insomnie: Welche Folgen haben Schlafstörungen?
Schwere und lang anhaltende Schlafstörungen können laut der Stiftung Gesundheitswissen weitere Folgeerkrankungen mit sich ziehen. Demnach besteht ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Herzinfarkt. Zudem gibt es Hinweise, dass ein dauerhaftes Defizit an Schlaf zur Gewichtszunahme führt und dadurch Diabetes fördert. Auch das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen wird durch Insomnie erhöht. Außerdem wird vermutet, dass die Schlafstörung Demenz begünstigt.
Dazu kommen soziale Folgen. Mit der Schlafstörung einhergehende Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Reizbarkeit können sich negativ auf das alltägliche Leben, die Freizeit sowie die eigenen Beziehungen auswirken und so die Lebensqualität beeinträchtigen.
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