menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Asiatische Nadelameise in Baden-Württemberg: Warum ihr Stich so gefährlich ist

22 0
31.03.2026

Mit der sogenannten Asiatischen Nadelameise (Brachyponera chinensis) hat es offenbar eine weitere invasive Ameisenart nach Deutschland geschafft. Wie unter anderem die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, gilt sie als äußerst problematisch und birgt sogar gesundheitliche Risiken. Demnach könnte sie nicht nur für heimische Insekten und Ökosysteme zur Bedrohung werden, sondern auch für den Menschen. Denn ihre Stiche gelten als besonders riskant. Was bislang über die Ameisenart bekannt ist und wovor Forschende warnen, lesen Sie hier.

Invasive Ameisenarten: Warum warnen Forscher vor der Asiatischen Nadelameise?

Invasive Arten richten nach Angaben der dpa weltweit immer wieder erhebliche Schäden an. Sie gefährden nicht nur Nutztiere und geschützte Arten, sondern können ganze Lebensräume verändern und sogar die menschliche Infrastruktur beeinträchtigen. Auch hierzulande haben wir die Folgen der Verbreitung invasiver Ameisen bereits zu spüren bekommen: In den vergangenen Jahren sorgte vor allem die eingeschleppte große Drüsenameise (Tapinoma magnum) wiederholt für Schlagzeilen. Ihre riesigen Kolonien bereiteten gleich in mehreren deutschen Städten Probleme, indem sie sich etwa durch Stromkabel fraßen und Internetverbindungen lahmlegten.

Nun warnen Forscher vor einer weiteren invasiven Ameisenart, die für Menschen zu einer ernsthaften Gesundheitsgefahr werden kann. Laut einer Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wurde die Asiatische Nadelameise im Jahr 2025 von der Europäischen Union „aufgrund ihrer möglichen Schadwirkung und ihrer potenziell allergieauslösenden Stiche als besonders problematisch eingestuft“ und in die höchste Gefahrenklasse aufgenommen. Ähnlich wie bei einem Wespenstich sind ihre Stiche der dpa zufolge nicht nur schmerzhaft, sondern können auch allergische Schocks auslösen – und damit im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein. Inzwischen ist die invasive Art auch in Deutschland angekommen.

Gefährliche Ameisenart in Deutschland: Wo wurde die Asiatische Nadelameise entdeckt?

Die ursprünglich aus Ostasien stammende Ameise wurde bereits 1932 im Südosten der USA entdeckt. Seither hat sie sich dort in weiteren Bundesstaaten ausgebreitet und heimische Ameisenarten verdrängt, wie die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mitteilt. In Europa gab es bislang jedoch nur wenige Nachweise: 2020 wurde ein erstes Exemplar in Neapel gefunden, bevor später weitere Funde in Italien folgten, unter anderem am Comer See. Im Juni 2025 gelang es Wissenschaftlern des Naturkundemuseums Stuttgart, der Universität Hohenheim und der Senckenberg Naturforschung schließlich, die Art erstmals auch in Deutschland nachzuweisen. Eine entsprechende Studie zum Erstfund erschien am 27. März 2026 im Fachjournal „Zootaxa“.

Nach Angaben der Universität Hohenheim stieß der Stuttgarter Biologiestudent und Studien-Co-Autor Max Härtel im Stuttgarter Zoo Wilhelma als Erster auf ein Exemplar der Asiatischen Nadelameise. Im benachbarten Rosensteinpark entdeckte das Forschungsteam dann sogar eine ganze Kolonie. „Wir konnten in dem Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadelameise mit Nachwuchs entdecken. Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokale überwinterungsfähige Population“, erklärt der Erstautor Dr. Brendon Boudinot vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. 

Wie kam die Asiatische Nadelameise nach Deutschland?

Laut der Pressemitteilung der Senckenberg Naturforschung vermuten die Wissenschaftler, dass die Insekten über Pflanzen nach Stuttgart eingeschleppt wurden. „Urbane Gebiete stehen häufig im Zentrum der Etablierung gebietsfremder Arten: hier kommen sie vermehrt als blinde Passagiere, beispielsweise in Topfpflanzen oder anderen Importgütern an und können sich oft auch besonders gut etablieren“, berichtet Co-Autorin Dr. Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. Boudinot warnt zudem, dass der Klimawandel das Risiko für die Ansiedlung gebietsfremder Ameisenarten weiter erhöht. Das mögliche Auftreten der Asiatischen Nadelameise in Europa sei demnach bereits vor einigen Jahren prognostiziert worden.

Wie weit sich die Asiatische Nadelameise in Deutschland bereits ausgebreitet hat, ist bislang unklar. Das Forschungsteam empfiehlt daher gezielte Monitoring-Programme, um eine mögliche Ausbreitung der invasiven Art frühzeitig zu erkennen. „Unser Nachweis hebt die zentrale Bedeutung des Biodiversitätsmonitorings hervor: nur wenn wir wissen, welche Arten sich ausbreiten oder zurückgehen, können gezielte Schutzmaßnahmen entwickelt werden“, betont Haas-Renninger.

Christina Bischof Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier