Einblicke in 100 Jahre gelebte Tradition
Die Trachtenvereinigung Alt-Hotzenwald hat am Samstag ihr 100-jähriges Bestehen in der Gemeindehalle in Willaringen gefeiert. Dazu gab es viel Musik, Tanzaufführungen, Gesang, Prominenz und ein ansprechendes, von den Frauen des Vereins selbst zubereitetes Büfett. Bald tummelten sich in der Gemeindehalle viele Gäste, die meisten in Tracht gekleidet, um beim Apéro mit Speckzopf die ersten Kontakte wieder aufleben zu lassen und Neuigkeiten auszutauschen.
Das Motto des Vereins, das ebenfalls auf der neuen Vereinsfahne zu lesen ist, lautet: „Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten“. Der Verein wurde 1926 von Bürgern der Gemeinden Rickenbach und Herrischried zur Erhaltung des Brauchtums und der Tracht im Hotzenwald gegründet. Heute sei es die Aufgabe, diese Schätze zu bewahren und sie an unsere Nachkommen weiterzugeben – so steht es auf der Internetseite des Vereins. Diesem Motto getreu war am Jubiläumsanlass zu sehen, dass die Tracht wahrlich generationsübergreifend getragen und das Brauchtum gelebt wird.
Matthias Vogt eröffnete den Abend mit den Worten: „Ich bi der Schwätzer und führ Euch jetze durch de Obe“. Dies wurde mit einigem Gelächter goutiert. Die Anwesenden durften sich auf einen abwechslungsreichen und doch lehrreichen, unterhaltsamen Abend freuen. Die Feierlichkeiten wurden durch Beiträge des Akkordeonorchesters Herrischried musikalisch bereichert.
Historisch Interessantes und Wissenswertes konnten die Besucher aus den ausliegenden Flyern und Festschriften entnehmen. Bei den Vorträgen war zum Beispiel zu erfahren, dass die Tracht der Hauensteiner als älteste Tracht im deutschen Sprachgebiet gelte. Sie sei bereits mehr als 300 Jahre alt.
Zudem sei der Unterschied zwischen Hauensteiner und Hotzen-Tracht nicht groß. Der Begriff sei gleichwertig und bezeichne dieselbe regionale Volkstracht. Der Unterschied liege in der historischen Entwicklung des Landes. Die Hauensteiner Tracht beschreibe den historischen Ursprung, die Hotzen-Tracht sei die zeitgemäß gebräuchliche Bezeichnung.
Neben Landrat Martin Kistler, der auch Schirmherr der Trachtenvereinigung ist, würdigte Rickenbachs Bürgermeister Dietmar Zäpernick die Leistungen des Vereins. Sie überbrachten Glückwünsche zum Jubiläum und einen finanziellen Zuschuss für die Erstellung des Buchs zum Jubiläum. Kistler und Zäpernick taten dies mit der Betonung darauf, dass die Kassen leider sehr klamm seien, aber es hätte doch immerhin zu diesem Scheck gereicht.
Der Vorsitzende Klaus Keller nahm die Glückwünsche und Geschenke im Namen der Vereinigung dankend entgegen. Auch Gunther Udri, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg, würdigte die Leistungen des Vereins, wies auf die teils schwierige finanzielle Lage sämtlicher Bereiche hin und freute sich, mitteilen zu können: „Wir haben uns eingemischt und bei den politischen Gremien im Landtag diese neue Probenpauschale erreicht.“ So könne der Verband die ehrenamtlichen Tätigkeiten stärken und die für eine gute Zukunft fördern.
Das Hotzenchörle, der vereinseigene Chor, bewies auf unterhaltsame Weise, dass Musik mit Gesang, nebst Gitarren- und Akkordeonbegleitung, auch mit einem Waschbrett mit Schneebesen, einem Holzbesen und Kochlöffel sowie einer alten Kaffeemühle, Topfdeckeln und einer Schuhputzbürste möglich ist.
Nicht fehlen durften bei der Jubiläumsfeier die Ehrungen durch den Bund Heimat und Volksleben (BHV), vertreten durch den Vorsitzenden Martin Welle. Er überbrachte Urkunden und Auszeichnungen für Sabrina Schlachter (Bronzene Ehrennadel) sowie Heike Mosch und Klaus Keller (beide silberne Ehrennadel).
Tanzaufführungen unterschiedlicher Art boten die Kinder- und Jugendgruppe der Trachtenvereinigung Alt-Hotzenwald. Die Erwachsenen präsentierten den „Hotzentanz“, der laut Vogt aus drei Phasen bestehe: „Das Kennenlernen, das Verliebtsein und – wie es im richtigen Leben sei – mal so und mal so.“ Daher sei aufmerksames Zusehen vonnöten, um die Figuren des Tanzes auch wirklich zu verstehen. Vogt versprach nicht zu viel. In den knapp zehn Minuten der Aufführung durchlief die Gruppe alle genannten Phasen des Lebens und wurde am Schluss mit großem Applaus gefeiert.
Zu guter Letzt stellte Gerhard Neugebauer das anlässlich des Jubiläums neu erschienene Buch vor, das er in Zusammenarbeit mit seiner Familie geschrieben hat. Es trägt den Titel: „Die Hauensteiner Tracht im Wandel der Zeit.“ Das Buch, reich an wissenswerter Geschichte über die Tracht, konnte am Jubiläumsabend bereits käuflich erworben werden.
Die Teilnahme an der Jubiläumsveranstaltung war kostenlos. Laut Vogt waren möglichst raschelnde Spenden in die Milchkanne am Ausgang willkommen.
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79736 Rickenbach Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
Matthias Vogt Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
