menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Eigenheim verkaufen, um die Pflege zu bezahlen? Das wäre nur gerecht

20 0
29.05.2026

Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.

Bereits registriert? Hier anmelden

Mit diesem Text mache ich mich ziemlich unbeliebt, das ist mir schon klar. Ich schreibe ihn trotzdem, weil mir beim Thema Pflegeversicherung ein paar Dinge am Herzen liegen. Erst recht in der aktuellen Diskussion. Denn nicht nur die Renten- und Krankenkasse laufen allmählich in ein riesiges Finanzproblem hinein, sondern auch die Pflegekasse. Weil viele Menschen immer älter werden und damit auch häufig pflegebedürftig – und weil die Demografie nun mal so ist, wie sie ist: Es gibt immer weniger Junge, die diese Kosten schultern müssen. Schon in den kommenden zwei Jahren fehlen der staatlichen Pflegeversicherung rund 22 Milliarden Euro, errechneten die Wirtschaftsweisen in ihrem Frühjahrsgutachten. Sie empfehlen dringend Reformen.

Für alle drei Systeme mahnten sie umgehenden Handlungsbedarf an. Sonst nämlich stiegen die Sozialabgaben bis 2040 von derzeit gut 40 Prozent auf 50 Prozent des Bruttolohns (wenn man die Anteile von Arbeitnehmern und -Gebern zusammenzählt). Und danach sogar noch weiter auf rund 60 Prozent. Das sei jenseits von Gut und Böse. Die Frage ist also: Wie bekommt man die Pflegekasse wieder in den Griff? Dazu war Gesundheitsministerin Nina Warken vorgeprescht. Sie schlug vor, ab sofort die Beitragssätze für Kinderlose zu erhöhen. 

Die Argumentation dahinter lautet: Da Kinderlose ja keinen Nachwuchs in die Welt setzten, der sie später pflegen könne oder durch weitere Beiträge hülfe, die Kosten zu tragen, trügen sie eine größere Mitschuld an der Finanzmisere. Genau diese Annahme bezweifle ich stark. Auch aus eigener Anschauung innerhalb meiner Familie und bei Freunden: Da ist es nämlich so, dass sich gerade die älteren Kinderlosen schon frühzeitig Gedanken machen, wie sie sich für den möglichen Pflegefall wappnen. Sie legen kräftig Geld auf die Seite, schließen Pflegezusatzversicherungen ab oder verkaufen früh ihre Eigentumswohnung und ziehen ins Seniorenheim, wo sie notfalls versorgt werden. 

Kinderlose wissen, dass sie sich um Pflege kümmern müssen

Das muss man sich alles erst einmal........

© stern