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Zuarbeit für einen Rechtsextremisten

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02.02.2026

Am Montagabend schlitterte ich mit dem Rad, das ich mal wieder wider besseres Wissens bestiegen hatte, durch den Schnee der Erfurter Innenstadt. Über einen Telegram-Kanal hatte ich davon erfahren, wo Martin Sellner auftreten sollte, und mein berufsbedingter Masochismus befahl unbedingte Anwesenheit.

Auf dem Fischmarkt, zwischen den alten, hübsch restaurierten Gildehäusern, froren allerlei Polizisten neben ihren Einsatzwagen. Sie bewachten um die 100, vor allem jüngere Leute, die "Alerta, alerta, antifascista!" und anderes Protestgut vortrugen. Ich bog mit einigen journalistischen Kollegen konspirativ in eine Nebengasse ab, passierte einige bibbernde Polizeibeamte und stieg dann die Treppe in ein Kellergewölbe hinunter.

An der Tür begrüßte uns gar freundlich ein adrett gekleideter Mann. "Ach, vom Stern?", rief Sellner in charmantem Wienerisch. "Na, dann herzlich willkommen!"

Da saß ich nun zwischen freudig erregten Rentnern und strammem Jungvolk in einem deutschen Bierkeller und hörte zu, wie ein österreichischer Rechtsextremist mit akkuratem Seitenscheitel über "Bevölkerungsaustausch" und "Schuldkult" sprach – und darüber, dass "Deutschland und Europa ermordet" würden. (Als nebenfachhistorisch vorgebildeter Mensch ziehe hier selbstverständlich keine Analogien, sondern ausschließlich Parallelen.)

Martin Debes berichtet als Reporter im Hauptstadtbüro des stern oft über Ostdeutschland. In seiner Kolumne schreibt der gebürtige Thüringer auf, was im "Ganz Nahen Osten" vorgeht – und in ihm selbst

Besonders ausführlich redete Sellner über den Begriff, der im Zentrum seines extremen Geschäftsmodells steht, und der, wie er lächelnd feststellte, "auch dank der Zuarbeit unserer politischen........

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