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Eine große Chance für den Klimaschutz

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24.04.2026

Fridays for Future: Demos als große Chance für den Klimaschutz

Eine große Chance für den Klimaschutz

Am Freitag riefen Fridays for Future zu bundesweiten Demonstrationen für den Ausbau der erneuerbaren Energien auf. Sie richteten sich gegen den Kurs der schwarz-roten Koalition - und das völlig mit Recht.

Am Freitag gingen sie wieder auf die Straße. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future rief von Kiel bis Konstanz zu Protesten für den Ausbau der erneuerbaren Energien auf. Adressat dieser Proteste ist die schwarz-rote Bundesregierung. Bereits am Samstag voriger Woche hatte es Demonstrationen diverser Umweltschutzorganisationen mit derselben Stoßrichtung gegeben. Auch die Grünen machen mobil.

Vor der Bundestagswahl 2021 hatte die Klimaschutzbewegung ihre große Zeit. Die Ökopartei war ebenfalls im Aufwind. Der spätere Vizekanzler Robert Habeck sagte rückblickend, der Ball habe für die Grünen auf dem Elfmeterpunkt gelegen. Doch was folgte, war eine Zeit der Depression. Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schoss den Ball, um in Habecks Bild zu bleiben, daneben. Seine Klimaschutzpolitik geriet unter die Räder des Ukraine-Krieges sowie der Partner in der Ampelkoalition. Fridays for Future sackten in sich zusammen wie ein Soufflé. Die Jungen hatten mit leeren Geldbeuteln mehr zu kämpfen als mit ihrer Angst vor der Zerstörung des Globus.

Fossile Zeitalter in der Sackgasse

Das könnte sich nun ändern und hat neben dem sich beschleunigenden Klimawandel vor allem mit dem Iran-Krieg und seinen irrsinnigen Folgen zu tun. Die Straße von Hormus ist bei Lichte besehen nämlich gar keine Straße. Sie ist neben einer Sackgasse weltpolitischer Dummheit die Sackgasse des fossilen Zeitalters.

Leider zieht die schwarz-rote Koalition daraus keine Konsequenzen. Dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Betreiber von Ökostrom-Anlagen nicht mehr entschädigen will, wenn Netzengpässe bestehen, halten nicht alle Beobachter für falsch. Ähnliches gilt für die Absicht, Gaskraftwerken den Vorrang zu geben vor Batteriespeichern, die sich aus erneuerbaren Energien speisen – und zwar für jene Dunkelflauten, in denen die Sonne nicht ausreichend zur Erde durchdringt und zu wenig Wind weht.

Kritikwürdiges Gesamtbild

Entscheidend ist aber das Gesamtbild, das die Union unter Kanzler Friedrich Merz abgibt. Denn sie stößt die Tür für die fossilen Energien auch an anderen Fronten wieder auf – bei der geplanten Reform des Heizungsgesetzes oder beim Abrücken vom Aus für Verbrenner-Autos im Jahr 2035. Dazu passt, dass Reiche sich als ehemalige Managerin des Gasnetzbetreibers Westenergie von der Gas-Lobby offenbar Argumentationshilfen beschaffen lässt. Wenn man wie sie die Erneuerbaren als „das Rückgrat unserer Stromversorgung“ bezeichnet, dann sollte man auch etwas dafür tun.

Die Union tut national wie europäisch in der Summe das Gegenteil. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist dabei ebenso nachrangig wie das vom Bundesverfassungsgericht verbriefte Recht künftiger Generationen darauf. Die von Sorgen um industrielle Arbeitsplätze und ihre eigene Existenz geplagte SPD fällt ihr, wenn überhaupt, bloß zögerlich in den Arm.

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Für die Klimaschutzbewegung ist das in der Tat eine Riesenchance. Ihr unverhoffter Partner ist US-Präsident Donald Trump, der eine Situation geschaffen hat, in der die Preise für fossile Energien noch lange hoch bleiben werden. Die Populisten haben den Menschen lange erzählt, dass Klimaschutz überflüssig und die Fossilen preiswerter seien. Populist Nummer eins beweist jetzt, dass dies unhaltbar ist. „Fridays for Future“ und andere sollten genau hier ansetzen.

In jedem Fall sollten sie nicht tun, was einige Klimaschutz-Demonstranten am Freitagmittag zwischen ARD-Hauptstadtstudio und Bundestag taten. Sie blockierten dort lächelnd einen Zebrastreifen, erreichten indes lediglich, dass eine Frau, die es eilig hatte, erbost aus ihrem Taxi sprang.


© Solinger Tageblatt