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Der Aufstieg des Cem Özdemir: Das anatolisch-schwäbische Arbeiterkind

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10.03.2026

Der Aufstieg des Cem Özdemir Das anatolisch-schwäbische Arbeiterkind

Düsseldorf · Baden-Württemberg bekommt aller Voraussicht nach den ersten Ministerpräsidenten mit türkischen Wurzeln. Das ist ein Einschnitt, zweifellos. Dahinter droht aber eine andere Erfolgsgeschichte zu verblassen: die des Aufstiegs aus kleinen Verhältnissen.

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Cem Özdemir am Montag nach der Landtagswahl in Stuttgart.

Nun hat er es also geschafft. Cem Özdemir wird aller Voraussicht nach Ministerpräsident von Baden-Württemberg – erster Regierungschef mit türkischen Wurzeln in einem deutschen Bundesland. Das ist bereits am Wahlsonntag weithin und wiederholt festgestellt worden, und es ist in der Tat ein Einschnitt in der Mentalitätsgeschichte einer Republik, die sich jahrzehntelang gegen die Zuschreibung als Einwanderungsland gesträubt hat.

Auch diese gläserne Decke ist nun durchstoßen – 33 Jahre nach der ersten Ministerpräsidentin (Heide Simonis in Schleswig-Holstein), 25 Jahre nach dem ersten offen schwulen Regierungschef (Klaus Wowereit in Berlin), gut vier Jahre nach dem ersten Bundesminister mit türkischen Wurzeln (ebenfalls Cem Özdemir). Es hat erstaunlich lange gedauert, wenn man die Geschichte der Bundesrepublik mit ihrer millionenfachen Einwanderung betrachtet.

Definition Das Statistische Bundesamt fasst unter Menschen mit Migrationshintergrund „zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-) Aussiedlerinnen und (Spät-) Aussiedler sowie die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen“.

Zahlen Darunter fielen 2024 in Deutschland rund 25,2 Millionen Menschen: 30 Prozent der Bevölkerung. Am höchsten war der Anteil mit 45 Prozent in Bremen, am niedrigsten mit elf Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.........

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