Wahlkampf in Baden-Württemberg: Viel los im Ländle – Entenpastete, US-Reise, Hochzeit und Rehaugen
Wahlkampf in Baden-Württemberg Viel los im Ländle: Entenpastete, US-Reise, Hochzeit und Rehaugen
Meinung | Berlin · Der Wahlkampf in Baden-Württemberg spitzte sich zum Schluss auf einen inhaltsleeren Social-Media-Wahlkampf zu, der von Aufregern lebte. Warum das für die politische Kultur ein Problem ist.
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Die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Baden-Württemberg, Manuel Hagel (CDU, r), und Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) bei einer Veranstaltung.
Es wird ein spannender Wahlabend am Sonntag in Stuttgart: Laut Umfragen gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Amt der stärksten Fraktion im Landtag und somit um das Amt des Ministerpräsidenten. Demokratie pur, jede Stimme zählt.
So weit, so gut. Aber die letzten Wochen in der politischen Auseinandersetzung lassen einen doch eher ratlos zurück. In Baden-Württemberg zeigen sich die Probleme des gesamten Landes wie unter einem Brennglas. Wer einmal rund um den Hauptbahnhof in Stuttgart, der den Namen nicht im Ansatz verdient, herumirrte, weiß, welches Infrastrukturproblem dieses Land hat.
Die wirtschaftliche Schwäche der gesamten Bundesrepublik ist im Autoland Baden-Württemberg ebenfalls abzulesen. Mit der Krise bei den Autoherstellern und deren Zulieferbetrieben geriet der Wachstumsmotor ins Stottern. Zuletzt stieg die Arbeitslosenzahl dort auf den höchsten Stand seit 19 Jahren, besonders stark die Jugendarbeitslosigkeit. Die Wirtschaftsentwicklung fiel schlechter aus als in vielen anderen Bundesländern.
Die Rezepte der Kandidaten gegen den Abstieg des Bundeslandes aber gerieten völlig ins Hintertreffen. Stattdessen diskutiert das Ländle über die Hochzeit des grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir, der diese am Valentinstag feierte, getraut vom anti-woken Ex-Grünen Boris Palmer. Maximale Entfernung von der eigenen Partei damit inbegriffen.
Den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel holt ein völlig verunglücktes Video von vor acht Jahren ein, bei dem er von einer
minderjährigen Schülerin mit „rehbraunen Augen“ schwärmt. Kurz vor dem Wahltag springt ihm seine Ehefrau zur Seite - sie würde ihren Mann „sofort wieder heiraten“, er sei ein Partner auf Augenhöhe. Nun.
AfD-Frontmann Markus Frohnmaier wiederum, Bundestagsabgeordneter, kandidiert noch nicht einmal für den Landtag. Er steht in der Affäre um die Beschäftigung von Verwandten persönlich stark in der Kritik, egal, zum Wahlkampfendspurt reist er lieber in die USA.
Der abgeschlagene Spitzenkandidat der SPD, Andreas Stoch, sorgt wiederum für Schlagzeilen, weil er seinen Fahrer ausgerechnet nach einem Besuch bei der Tafel gebeten hat, Feinkost in Frankreich einzukaufen. Auf Nachfrage erklärt er, eine „schöne Entenpastete“ sei was Herrliches.
Keine Frage, Stilnoten sind bei Politikern besonders wichtig. Aber wenn, befeuert durch die sozialen Medien, eine politische Auseinandersetzung sich nur noch auf dieses Niveau beschränkt, dann ist das Wort vom Politzirkus sehr passend. Traurig für das ehemalige Vorzeige-Bundesland.
