4. Juli 1776: Amerika feiert seine Geburt – und ein riesiger Widerspruch bleibt
4. Juli 1776 Amerika feiert seine Geburt – und ein riesiger Widerspruch bleibt
Der Kontinentalkongress nimmt den Entwurf der Unabhängigkeitserklärung entgegen (Zweiter von links in der Gruppe der Autoren ist Thomas Jefferson). Gemälde von John Trumbull, 1819.
Düsseldorf · Die Unabhängigkeitserklärung der USA vor 250 Jahren ist der Moment, in dem Europas Kind zu Europas Lehrmeister wird. Der Anspruch ist gigantisch: Freiheit für alle. Die Ursünde allerdings auch: Für die Sklaven gilt das nicht.
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Thomas Jefferson ist vergrätzt. Zwei Tage lang haben diese vier Dutzend Männer an seinem schönen Text herumgedoktert, in diesem stickigen Raum, 85 Änderungen haben sie vorgenommen. 85! Da hilft auch der Trost von Benjamin Franklin nichts, der ihm gesagt hat, deshalb schreibe er nie etwas, das noch von einem Ausschuss bearbeitet werde. Franklin hat es abgelehnt, den Text zu verfassen, der jetzt, Anfang Juli 1776 in Philadelphia, in letzter Minute noch kräftig umgeschrieben wird: die Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien Nordamerikas von der britischen Krone.
Am 4. Juli allerdings kommt man zur Abstimmung. Zwölf der 13 Delegationen nehmen den Text an: New Hampshire, Massachusetts, Rhode Island, Connecticut, New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland, Virginia, North und South Carolina, Georgia. New York enthält sich, vorerst, weil die Delegierten noch keine Vollmacht aus der Heimat erhalten haben. Die Erklärung ist beschlossen und wird zum Drucker geschickt. Eine feierliche Unterzeichnung findet erst Anfang August statt.
In Philadelphia, immerhin, entsteht so etwas wie Volksfeststimmung, nachdem ein Sekretär im Hof des Pennsylvania State House die Entscheidung verkündet hat: Die Glocken läuten, Kinder mit Flaggen laufen durch die Straßen, in den Kneipen werden Trinksprüche ausgebracht. Dennoch bleibt der 4. Juli vorerst ein „Datum ohne Ritual“, wie der Historiker Hiram Kümper festgehalten hat.
Der erste asymmetrische Kolonialkrieg
Bei aller Profanität: Nach diesem Tag ist alles anders. Aus den Kolonien sind Staaten geworden, und ihre erklärte Unabhängigkeit ist nur durch Krieg zu erreichen. Dieser Krieg ist längst im Gange, seit mehr als einem Jahr. Die Rebellen haben bei Fort Ticonderoga einen Sieg errungen und Boston erobert; vor Québec haben sie eine schwere Niederlage erlitten. Am 4. Juli 1776 bereitet man sich in New York auf einen Angriff der Briten vor.
Bis zum Sieg der Amerikaner – oder besser: der Niederlage der Briten – 1781 bei Yorktown ist es noch ein weiter Weg. Schon 1776 entgehen die Rebellen in New York nur durch Glück der Katastrophe. Dass sie durchhalten, ist nicht zuletzt ihrem Anführer George Washington zu verdanken, einem ebenso charismatischen wie begnadeten........
