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Neue Studie: Auch frühjahrsmüde? Was Schweizer Forscher dazu herausgefunden haben

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10.03.2026

Neue Studie widerlegt Mythos Frühjahrsmüdigkeit gibt es nicht – sind die Deutschen mal wieder faul?

Kolumne | Düsseldorf · Wenn die Natur erwacht, die Tage wieder länger werden, überkommt manche die Müdigkeit. Dazu kursieren diverse Erklärungen. Doch tatsächlich kämpfen nur die Deutschen mit Frühjahrsmüdigkeit.

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Eine Frau liegt auf einer Wiese mit Krokussen und gähnt. (Illustration)

Plötzlich stehen die ersten Bäume in Blüte, und abends wird es später dunkel. Der Frühling hat begonnen. Doch das Erwachen der Natur führt bei manchen Menschen zum gegenteiligen Effekt: Sie fühlen sich müde, abgespannt, würden am liebsten ständig schlafen.

Frühjahrsmüdigkeit heißt das Phänomen. Es gibt Erklärungsansätze: Bei steigenden Temperaturen weiteten sich die Gefäße, der Blutdruck sinke. Oder: Dass es länger hell bleibe, bringe den Hormonhaushalt durcheinander. Schlafforscher aus der Schweiz haben nun allerdings herausgefunden, dass sich die Frühjahrsmüdigkeit empirisch nicht belegen lässt.

Die Wissenschaftler befragten Menschen über ein Jahr hinweg nach ihrem Befinden und der Qualität ihres Schlafs. Eine besondere Müdigkeit beim Wechsel der Jahreszeiten zeichnete sich dabei nicht ab, obwohl knapp die Hälfte der Befragten zuvor angegeben hatte, an Frühjahrsmüdigkeit zu leiden. Bezeichnend ist auch, dass es diesen Begriff zwar im Deutschen gibt, nicht aber in vielen Nachbarländern mit ähnlichem Klima.

Die Schweizer Forscher halten die Frühjahrsmüdigkeit daher für ein kulturelles Phänomen. Schlappheit, die jeder mal empfindet, werde als Beleg für die vermeintliche Frühjahrsmüdigkeit gewertet. So bestätigt sich das Phänomen selbst und verfestigt sich in der Wahrnehmung vieler Menschen.

Also sind die Deutschen mal wieder faul? Ein Volk eingebildeter Kranker, das nicht mal den Frühling genießt, sondern Vorwände sucht, sich lieber zu verkriechen? Auch das ließe sich empirisch wohl nicht belegen. Die meisten Menschen meistern den Stress ihres Alltags mit erstaunlicher Gelassenheit. Was soll verwerflich daran sein, sich auch mal schlapp zu fühlen – selbst wenn die Sonne scheint? Fragwürdig ist aber die Tendenz, alles gleich zum Phänomen zu erklären, Namen dafür zu finden, Erklärungen zu suchen. Denn Begriffe entwickeln eine eigene Dynamik und suggerieren bisweilen Probleme, die keine sind.


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