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Britische Royals und der Epstein-Skandal: Töchter des Ex-Prinzen Andrew verlieren Privilegien – ist das gerecht?

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Britische Royals und der Epstein-Skandal Töchter des Ex-Prinzen Andrew verlieren Privilegien – ist das gerecht?

Meinung · Eugenie und Beatrice, die Töchter des früheren Prinzen Andrew, verlieren Ansehen und Charity-Jobs allein wegen der Familienzugehörigkeit. Manche halten das für eine ungerechte Bestrafung. Was dabei zu bedenken ist.

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Prinzession Eugenie, links, und ihre Schwester Beatrice mit ihrem Vater, dem damaligen Prinzen Andrew bei der Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton.

Die Organisation setzt sich gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei in der ganzen Welt ein – bis vor Kurzem mit einer prominenten Schirmherrin: die britische Prinzessin Eugenie trat über Jahre als Fürsprecherin von Anti-Slavery International in Erscheinung. Nun scheint sie diesen Job los zu sein. Das schreiben britische Zeitungen. Auf der Homepage der Organisation findet sich jedenfalls kein Hinweis mehr auf die frühere Schirmherrin. In einer Erklärung heißt es laut Medien knapp, nach sieben Jahren ende die Zusammenarbeit.

Auch ihr Anrecht auf die zuvor übliche Einladung zum prestigeträchtigen Pferderennen Royal Ascot scheinen Eugenie und ihre Schwester Beatrice verloren zu haben. Britische Zeitungen berichten, der Palast habe den Schwestern mitgeteilt, dass sie in diesem Jahr weder in der Royal Box sitzen noch an der Kutschenprozession teilnehmen dürfen – einer Tradition, die seit 200 Jahren gepflegt wird.

Offizielle Erklärungen des Palastes dazu gibt es nicht. So wird nun spekuliert, ob die Prinzessinnen von York in diesem Jahr am traditionellen Ostergottesdienst mit der Königsfamilie teilnehmen werden – oder eher nicht.

Ex-Prinz Andrew und Sarah Ferguson im Fall Epstein belastet

Manche sehen in alldem eine unzulässige Kollektivstrafe für die beiden Prinzessinnen. Sie verlieren bisherige Privilegien infolge der Veröffentlichung von Millionen Akten mit Fotos und Mailverkehr über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, in denen ihre Eltern schwer belastet werden. Nicht die jungen Frauen selbst. Ihrem Vater, Andrew Mountbatten-Windsor, wurden deswegen bereits sein Prinzentitel und alle royalen Privilegien entzogen. Mitte Februar wurde er wegen möglicher Weitergabe sensibler Daten in einem öffentlichen Amt kurzzeitig festgenommen. Der 66-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Auch die Mutter der Prinzessinnen, Sarah Ferguson, war eng mit Epstein befreundet. In den Akten finden sich Mails, die nahelegen, dass sie noch nach der ersten Verurteilung Epsteins wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen engen Kontakt zu ihm gehabt hat. Unter anderem soll Epstein ihr teure Unterbringung und Flugtickets bezahlt haben, damit sie ihn in den USA besuchen konnte – mit ihren Töchtern.

Allerdings waren Eugenie und Beatrice damals um die 20 Jahre alt. Sie haben also sicher mitbekommen, welche Kontakte ihre Eltern pflegten, sind aber in dieses System hineingewachsen. Sie haben es zumindest damals noch nicht hinterfragt, sondern das teils erbettelte Luxusleben der Mutter geteilt.

Eugenie und Beatrice haben sich eigene Berufe aufgebaut

Eugenie und Beatrice waren keine „Working Royals“, also Mitglieder des Königshauses, die hauptberuflich öffentliche Termine wahrnehmen und dafür ein Einkommen erhalten. Die Prinzessinnen von York haben sich eigene Berufe aufgebaut, wenn auch ihre Herkunft dabei immer nützlich war. Eugenie hat Englische Literatur, Kunstgeschichte und Politik studiert und versucht, sich in der internationalen Kunstszene zu etablieren. Seit 2015 arbeitet sie für die Londoner Niederlassung der renommierten Kunstgalerie Hauser & Wirth.

Gegen Sklaverei hat sie sich auch schon vor der Schirmherrschaft engagiert und mit einer Freundin die Organisation The Anti-Slavery Collective gegründet. Dort tritt sie im Internet auch weiter in Erscheinung. Allerdings berichten britische Medien über Vorbehalte gegen die Organisation wegen der Gehälterstruktur.

Beatrice studierte Geschichtswissenschaften, arbeitete bei unterschiedlichen Technologieunternehmen und gründete schließlich eine eigene Marketing-Beratung. Nebenbei engagiert sie sich für wohltätige Zwecke, etwa zum Thema Lese-Rechtschreibschwäche. Die Schwestern hatten vor den Epstein-Enthüllungen sogar mehr Termine im Auftrag des Königshauses wahrgenommen und waren in der öffentlichen Gunst gestiegen.

Nun sieht alles anders aus, auch weil sie sich bisher nicht öffentlich von ihren Eltern distanziert haben. Beide Frauen sind verheiratet und haben Kinder. Sie haben versucht, sich eigene Existenzen aufzubauen, nutzten dafür ihre Nähe zum Königshaus, waren darum für Unternehmen und Charity-Organisationen interessant. Das droht nun alles zu bröckeln.

Prinzessinnen haben sich bislang nicht öffentlich distanziert

Ein Skandal wäre das aber nur, wenn die Schwestern von den Verbindungen ihrer Eltern nichts gewusst hätten oder noch so jung wären, dass sie die Tragweite der Vorwürfe gegen ihre Eltern nicht verstünden. Dann träfe der Vorwurf der kollektiven Bestrafung zu, denn sie würden für etwas verantwortlich gemacht, das nicht in ihrer Macht steht und zu dem sie noch keine kritische Haltung einnehmen könnten. Eugenie und Beatrice aber sind erwachsen. Sie haben all die Jahre von ihrem royalen Elternhaus profitiert. In die vermutlichen Machenschaften ihrer Eltern sind sie hineingezogen worden, damit kann man Mitleid haben. Aber nicht einmal jetzt haben sie sich öffentlich distanziert. Dann müssen sie die Konsequenzen tragen.

Für eine Organisation, die sich gegen Menschenhandel und Sklaverei einsetzt, ist jede Nähe zu Epstein untragbar. Darum ist es nachvollziehbar, dass sie Eugenie die Schirmherrschaft entzogen hat, wenn auch auf verdruckste Art. Die Prinzessinnen von York passen auch nicht zum Image, das das britische Königshaus von sich transportieren möchte, nämlich integer und unbestechlich zu sein und für die traditionellen Werte des Königreichs einzustehen.

Ansehen des Königshauses gesunken

Wie glaubwürdig dieses Image noch ist, wenn ein zentrales Mitglied der Familie all die Jahre höchst fragwürdige Kontakte pflegen konnte, müssen die Menschen in Großbritannien entscheiden. Laut aktuellen Umfragen hat die Sicht der Briten auf ihr Königshaus gelitten, die Zustimmungswerte sind um einige Prozentpunkte gesunken, das mit Abstand unbeliebteste Mitglied der Königsfamilie ist der frühere Prinz Andrew. Doch die rigorose Reaktion des Königs jetzt halten die Briten mehrheitlich für richtig.

Spät, aber entschieden hat sich der Palast distanziert, um das eigene Ansehen zu retten. Das trifft in der Konsequenz dann auch die Prinzessinnen von York. Denn die wollen loyal bleiben gegenüber Vater und Mutter, obwohl die ihrer Rolle nicht gerecht geworden sind – weder der öffentlichen, noch der als Eltern.


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