Wendelin und der Urin
Florentina Holzingers Kunst kennt keine Angst. Weder vor Schmerz noch vor Tabus oder dem Bodenlosen, schon gar nicht vor der Nacktheit, der Selbstentblößung, aber auch nicht vor der Selbstermächtigung bis hin ins Übermächtige. Jetzt aber stellt sich der 40 Jahre alten Performance-Künstlerin ein neuer, unangenehmer Gegner in den Weg: der Kleingeist.
Seit Holzinger in dieser Woche den österreichischen Beitrag zur Kunst-Biennale in Venedig präsentiert hat, ist die breite Öffentlichkeit auf das Werk der Wienerin aufmerksam geworden. Oder besser, sie wurde absichtsvoll auf einen Aspekt der Installation im österreichischen Pavillon aufmerksam gemacht, nämlich auf diesen: Da ist Urin drin!
Nicht ganz zufällig hat es sich Wendelin Mölzer, Kultursprecher der FPÖ, zur Aufgabe gemacht, Holzingers Kunst das Kunstverständnis der „vielen Menschen“ entgegenzusetzen. Er nennt die Installation in einer Aussendung des FPÖ-Parlamentsklubs eine „Urin-Performance“, die „für viele Menschen eine klare Grenze des Zumutbaren überschreitet“.
Mölzer stößt sich daran, dass in der Installation der Urin von Besuchern aus den Toiletten in ein Becken geleitet wird, in dem wiederum Performerinnen agieren. „Wenn........
