Im Zug der Veränderung: Kolumnist Yves Stuber spürt den Kulturfrühling
Im Zug der Veränderung: Kolumnist Yves Stuber spürt den Kulturfrühling
Während die Menschen sich hektisch durch den Oltner Alltag und Bahnhof kämpfen, hält beim Kolumnisten Yves Stuber ein facettenreicher Frühling Einzug.
«Das Beste an Olten ist der Zug nach...»
Der Frühling ist gekommen, um die Welt zu verändern. Fernab von Nahost scheint hier die Sonne, Vögel zwitschern zwischen Baustellen. Der Beton zieht sich hoch und die Natur blüht. In meinem Olten zählt die Distanz von einem Punkt zum anderen zehn Minuten zu Fuss. Umgeben von Wald und Fluss radelt eine fröhliche Minderheit zum Grill an die Aare oder spaziert zur Aussicht auf die Alpen.
Als meine Partnerin und ich uns kennenlernten, wohnte sie in Baden und arbeitete in Olten. Sie war überzeugt: «Das Beste an Olten ist der Zug nach Baden». Ein Seitenhieb an mich, der unser Städtchen damals mit dem Magazin Kolt geradezu zelebrierte. Diesen Frühling schätze ich ihr Bestes an meinem Olten jedoch ganz besonders: die zentrale Lage und den jederzeit verfügbaren Zug. Unser Stadtgebiet erstreckt sich für mich im Radius einer Zugstunde – Zürich, Bern, Luzern und Basel sind Oltner Quartiere im Herzen Europas.
Den von Elektro und Natur beeinflussten Komponisten Max Richter lernten wir dank seiner Version der «vier Jahreszeiten» kennen. Anfang März erlebten meine Freundin und ich das Beste von Olten mit dem Zug nach Luzern, wo Richter mit seinem Orchester ein zweiteiliges Konzert spielte. Nach der Pause betrat eine faszinierende Frau die Bühne und setzte sich mit einem Tagebuch von Kafka hin. Ihr Instrument: das Sprechen. Und wie sie sprach! Ihre Stimme prägte die aussergewöhnliche Atmosphäre und den mystischen Charakter der Musik. Eine raue, tiefe und zugleich geschmeidige Stimme.
Kolumnist Yves Stuber.
Letzten Montag war für mich das Beste an Olten der Zug nach Riehen. Passend zur Jahreszeit zeigt die Fondation Beyeler in Riehen aktuell den französischen Naturliebhaber und Künstler Paul Cezanne. Durch ihn spazierte ich, im übertragenen Sinn, durch die Wälder und bestaunte die Berge im Frühling der Provence. Ergänzend zur Ausstellung produzierte das Museum einen Kurzfilm, in dem wiederum eine umwerfende Frau mit einer fantastischen Stimme Poesie vorliest. Eine ähnliche Stimme wie vor ein paar Tagen bei Richter – die eine heisst Henrietta Smith-Rolla und die andere Nichole Galicia.
Diese beeindruckenden Stimmen erzählen für mich den diesjährigen Frühling, der mich von Olten nach London, Manchester und in die Provence verführt – und ins faszinierende «Becken der Nymphen». Die eine Hälfte des Beyeler Museums zeigt die kuratierte Sammlungspräsentation «Sensations». Nach beeindruckenden Bildern von Namen wie Picasso, Bacon, Basquiat, van Gogh oder Rothko enden diese Sensationen mit dem zwei auf drei Meter grossen Triptychon «Seerosenteich» von Claude Monet. Allein dafür lohnt sich die Reise ins nahe gelegene Oltner Quartier. Bis zum 22. März werde ich durch die Strassen dieser Welt reisen, ohne Zug und ohne Flieger: Jens Krauer zeigt seine Bilder im Haus der Fotografie an der Kirchgasse.
* Yves Stuber ist Fotograf und Medienentwickler und hat bis 2022 das Stadtmagazin Kolt herausgegeben.
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