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Gestrandet in Dubai: Schadenfreude in sozialen Netzwerken ist unpassend

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04.03.2026

Der amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen den Iran zieht weite Kreise. Die arabischen Golfstaaten liegen unter Beschuss, die für die Weltwirtschaft so immens wichtige Straße von Hormus ist dicht. Die Ölpreise steigen rasant, was sich jetzt bereits an den Tankstellen in Deutschland bemerkbar macht. Menschen, die sich entschieden haben, ins vermeintlich sichere – und steuerbefreite – Dubai auszuwandern, hören jetzt plötzlich die Explosionen von Geschossen und sollen auf Steuerzahlerkosten herausgeflogen werden. Tausende Urlauber sind gestrandet oder sitzen auf Kreuzfahrtschiffen fest. In den sozialen Medien sind diese Leute oft mit Schadenfreude konfrontiert.

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Ob im Luxushotel oder in der Lehmhütte

Es gibt aber keinen Grund für Häme. Krieg ist immer eine beängstigende Erfahrung. Egal, ob man im Luxushotel oder in einer Lehmhütte sitzt. Es ist beunruhigend zu merken, dass man die Kontrolle verloren hat.

Statistisch gesehen müsste unter den festsitzenden deutschen Urlaubern etwa ein Viertel die AfD wählen. Vielleicht ahnen diese Leute jetzt, warum Menschen den Drang haben zu fliehen, wenn ein Krieg ausbricht. Zumal, wenn diese Kriege – etwa in Syrien, dem Irak oder in der Ukraine – wesentlich brutaler und verschlingender waren oder sind als das, was sie jetzt erleben. Vielleicht erzählen sie ihren Freunden von ihrer Angst. Vielleicht setzt ja bei diesen Menschen ein Lerneffekt ein.

Belagerung, Flucht, Verrat – Stimmen aus dem kollabierenden Nordostsyrien

Auf eine neue Flüchtlingsbewegung wie vor zehn Jahren muss sich Europa – Stand jetzt – ohnehin nicht einstellen. Der neue Krieg in Nahost wird sich wahrscheinlich wieder zügig abkühlen. Keine der Konfliktparteien hat ein Interesse an einem monate- oder jahrelangen Waffengang. Anders wäre es, sollte das Mullah-Regime im Iran aber unkontrolliert kollabieren – dann droht ein langer Bürgerkrieg. 


© NRZ