Mafias und Repression
Es gibt Themen, die zu kompliziert sind, um sie einem ausländischen Publikum in einer Schlagzeile vermitteln zu können. Sogar im unheiligen Land zwischen Jordan und Mittelmeer, das reichlich Medienaufmerksamkeit erhält, gibt es Themen, die sich nicht in bekannten Mustern erklären lassen – zum Beispiel die Lage der palästinensischen Israelis.
Während der Staat Israel weiterhin die Zerstörung Gazas vorantreibt und die Bevölkerung der Westbank durch Soldaten und Siedler terrorisiert wird, wirkt die Lage jener Palästinenser, die israelische Staatsbürger sind – und das sind mittlerweile fast zwei Millionen Menschen – auf den ersten Blick weniger dramatisch.
Yossi Bartal ist seit 2006 ein begeisterter Wahl-Neuköllner. Aufgewachsen in West-Jerusalem lernte er früh, dass Selbsthass die edelste Form des Hasses ist. Mit einer gesunden Dosis Skepsis gegenüber Staat und Gesetz schreibt er für nd.Digital jeden dritten Montag im Monat über Parallelgesellschaften, (Ersatz-) Nationalismus und den Kampf für eine bessere Welt.
Zwar sind diese nicht-jüdischen Bewohner eines selbsternannten jüdischen Staates, deren Vorfahren 1948 das Glück hatten, nicht vertrieben zu werden, in nahezu allen Lebensbereichen strukturell diskriminiert. Aber immerhin dürfen sie sich frei bewegen, wählen und gewählt werden. Die Mehrheit der jüdischen Mehrheit erwartet von ihnen dafür schlicht Dankbarkeit.
Bei der Berichterstattung über diese Gruppe beginnen die Probleme bereits mit der Wahl der passenden Bezeichnung. Oft werden sie arabische Israelis genannt, andere Male Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft oder palästinensische Israelis. Unter Palästinensern selbst werden sie verkürzt als ‘48er bezeichnet, nach dem Jahr, an dem ihr besonderes Schicksal begann. Selbst intern wird über den richtigen Begriff gestritten.
Hinzu kommt die........
