Schwäbischer Locker Room Talk
»Mist« sei der Einstieg in ein Interview gewesen, das der CDU-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Manuel Hagel, schon vor acht Jahren gegeben hat. Seine Frau habe ihm danach den »Kopf gewaschen«. Hagel hatte in dem betont lockeren Lokalfernsehformat »Auf ein Bier mit« zum Besten gegeben, wie er sich bei einem Termin an einer Realschule gefühlt hat. In der Klasse, die er besuchte, hätten »zu 80 Prozent Mädchen« gesessen. Für einen (damals) 29-jährigen Politiker gäbe es »schlimmere Termine«. Das Ganze gipfelt dann in der Aussage: »Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.«
Wie Hagel sich über die junge Frau äußert, ist schmierig und degradiert sie zum Objekt. Zum Manuel Hagel von heute, der gerne betont, dass er Vater von drei Kindern ist und sich um die Familie kümmert, wollen die Sprüche von 2018 nicht passen. Deshalb auch die zügige Distanzierung von dem alten Interview.
Manuel Hagel ist mit Sprüchen wie denen über Eva wahrscheinlich nur ein Durchschnittsmann. Beim Bier, in der Umkleidekabine oder im Faschingsverein reden sie, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, nämlich ziemlich antiquiert und sexistisch. In Zeiten, in denen die Gesellschaft nach rechts tendiert, wird so etwas in Zukunft wohl noch öfter zu hören sein. Auch dagegen gilt es, gerade für Männer, die Stimme zu erheben und klar zu machen, dass die Zeiten in denen sexistische Sprüche und die Degradierung von Frauen zu Objekten, vorbei ist.
