Das Ende der Harmonie: Rote Misstöne
Die Ära der performativen Harmonie zwischen Union und SPD, die mit dem Besuch des Kanzlers bei der SPD-Fraktion vor mehreren Wochen eingeleitet wurde, wird durch unbekannte rote Misstöne gestört. Man könnte den Eindruck gewinnen, die SPD habe plötzlich ein politisches Erweckungserlebnis gehabt. Nach über einem Jahr, in dem sie durchgehend als »Mitarbeiterin des Monats« der Koalition glänzte – treuer gegenüber dem Kanzler als weite Teile der Unionsfraktion selbst – präsentiert sie nun in ungewöhnlich dichter Folge eigene Positionen, markiert Dissens, zieht rote Linien. Klingbeil für die Betriebsrente. Bas gegen Willkür bei der Arbeitszeitverlängerung. Und der Bundesratspräsident und sozialdemokratische Bürgermeister Bremens, Andreas Bovenschulte, droht mit dem Scheitern der Reformen im Bundesrat. Dieses scheinbar spontane Wachstum eines Rückgrats bei der SPD grenzt schon fast an eine Art Wunderheilung – man möge den Papst........
