Sklavenhandel: Die offenen Wunden Afrikas
Zweifel sind unangebracht: Der transatlantische Sklavenhandel ist mit Fug und Recht als »schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit« zu bezeichnen, wie es die nicht bindende von Ghana eingebrachte UN-Resolution vom 25. März festhält – dem Internationalen Gedenktag für die Opfer des transatlantischen Sklavenhandels. Mit Nein stimmten nur die USA, Israel und Argentinien. 52 enthielten sich, darunter das Vereinigte Königreich und viele europäische Staaten wie auch Deutschland. Die große Mehrheit von 123 Staaten stimmte dafür, allen voran die 55 Staaten der Afrikanischen Union und die Länder der Karibischen Gemeinschaft (Caricom), in denen viele Nachkommen der Verschleppten und Versklavten leben.
Die Resolution fordert alle UN-Mitgliedstaaten auf, sich für Reparationen für erlittenes Unrecht einzusetzen. Dass sich die ehemaligen Kolonialmächte und die jetzige Weltmacht USA nicht daran beteiligen werden, darf als ausgemacht gelten. Wie auch immer man die Schadenshöhe beziffert, ob auf die 100 bis 130 Milliarden Dollar wie das renommierte Beratungsunternehmen »Brattle Group« in seinem Gutachten 2023 oder in anderen Dimensionen: Es ist unbestreitbar, dass der transatlantische Sklavenhandel unermessliches Leid verursacht hat und bis heute in vielerlei Hinsicht fortwirkt. Das gilt insbesondere für die Weltwirtschaftsordnung, die den Globalen Süden weiter als Rohstofflieferanten festschreibt, ohne ihm faire Chancen auf eine nachholende Entwicklung einzuräumen.
Jenseits von Reparationen gibt es jede Menge Spielraum, dem Globalen Süden für erlittenes Unrecht in Teilen Wiedergutmachung zu leisten. Ein umfassender Schuldenerlass wäre ein erster Schritt: Mit über einer Billion Dollar steht der afrikanische Kontinent in der Kreide, der Schuldendienst frisst Mittel, die im Gesundheits- und Bildungssektor dringlichst vonnöten wären. Afrika und den Afrikaner*innen eine Perspektive zu geben, ist logisch die zwingende Konsequenz aus dieser UN-Resolution. Doch die Nein-Stimmer und Enthalter werden auch da nicht mitziehen.
