Omnipräsenter Rassismus
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Eines, das auf die Menschen mit Migrationsgeschichte angewiesen ist, was nicht mal die Granden von CDU und CSU bestreiten. Sie sind Teil dieser Gesellschaft – und doch nicht als Gleiche unter Gleichen respektiert. Das zeigt die Datenauswertung, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Dienstag vorgestellt hat, einmal mehr auf erschreckende Weise. Denn der Hauptgrund für Benachteiligungen bei der Arbeit, der Wohnungssuche und auf Ämtern, die Menschen hierzulande erleben, ist: Rassismus.
Neun Millionen Menschen in der Bundesrepublik haben demzufolge im Jahr 2023 Diskriminierung erfahren – fast 42 Prozent davon schrieben das ihrer ethnischen Herkunft zu. Das ist einerseits beschämend, andererseits Ausdruck einer Rückständigkeit, die deutsche Politiker, Behördenvertreterinnen oder Talkshow-Experten gern Menschen aus bestimmten »Kulturkreisen« pauschal zuschreiben.
Dazu kommt, dass Politik und Verwaltung der Wirtschaft, der sie in Sachen Fachkräftesuche doch helfen wollen, so ins Knie schießen. Denn Hochqualifizierte und Menschen in Mangelberufen können auch in Länder gehen, in denen sie sich willkommener fühlen. Das ist das Dilemma einer Gesellschaft, die »Ausländer« stets in Nützliche und vermeintliche »Einwanderer in die Sozialsysteme« einteilt: Sie stößt auch jene vor den Kopf, die sie der ersten Kategorie zuordnet. Und denen, die sie in die andere Schublade steckt, legt sie Steine in den Weg. Sie verbaut damit nicht nur den Betroffenen Perspektiven, sondern verzichtet auch auf deren Potenziale.
