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Berlin: Lasst die Jugend feiern!

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23.03.2026

Es tobt mal wieder ein Entrüstungssturm in der Hauptstadt, wegen Abiturient*innen, die an öffentlichen Plätzen feiern – laut und unverschämt. Vor dem Zeiss-Planetarium in Prenzlauer Berg etwa waren es am Freitagabend 1000 Jugendliche, die ihre letzte Woche Schulzeit vor den Abiturprüfungen abschlossen. Aber es blieb nicht dabei: Als die Polizei nach Beschwerden wegen Lärms mit einer Einsatzhundertschaft anrückte, eskalierte die Situation. Fünf Personen seien festgenommen worden, nachdem die Feiernden partout nicht gehen wollten, Flaschenwürfe und Pyrotechnik inklusive, so die Polizei.

Was sich in den Grünanlagen abspiele, habe mit Feiern nichts mehr zu tun, empört sich die Pankower Ordnungsstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) in einer Pressemitteilung. Sie erklärt: »Es ist ein Ausmaß an Rücksichtslosigkeit, das sprachlos macht« und »Feiern darf nicht auf Kosten anderer stattfinden.«

Man muss sich aber auch die Frage stellen: Wo außer in Parks sollen die Jugendlichen denn sonst feiern? Jugendclubs sind unterfinanziert und müssen schließen. Einen Veranstaltungssaal zu mieten, ist unbezahlbar, genauso wie der Besuch im Club – von denen es sowieso immer weniger gibt.

Dass selbst harmlosen Partys von Abiturient*innen mit Polizeieinsätzen und Law-and-Order-Rhetorik begegnet wird, überrascht nicht. Die Entwicklung der Hauptstadt geht in Richtung überbordenden Polizeiapparat, Zäune um Parks, Büros statt Clubs, Friedhofsruhe statt Leben. Dass die Jugendlichen sich dieser Entwicklung nicht einfach beugen und sich den Raum nehmen, der ihnen zusteht, ist nur konsequent und richtig.


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