Haben wir beim Blockieren der AfD versagt?
Haben wir beim Blockieren der AfD versagt?
In Erfurt gelang es nicht, den AfD-Parteitag zu verhindern oder zu verzögern. Ein Teilnehmer der Blockaden berichtet von seinen Eindrücken und Schlussfolgerungen.
Es ist 21 Uhr am Vorabend der Blockaden. Unsere Reise geht los. Schwer bepackt mit Wasser und Essen für den ganzen Tag, mit Wechselklamotten sowie mit Flyern, Transparenten und Fahnenstangen steigen wir in unseren Bus. Um 3 Uhr nachts auf der Autobahn platzt uns ein Reifen. Wir müssen den Bus wechseln, weiter geht’s. An Schlaf ist nicht zu denken. Um fünf Uhr werden wir auf irgendeinem Feld 15 Kilometer vor Erfurt rausgelassen.
Gehässig frotzelte der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla: „Die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen.“ Wahrscheinlich bekam er sehr viel mehr Schlaf als wir, nämlich direkt im Hotel am Messegelände, an dem der Parteitag stattfand. Hunderte weitere Delegierte wurden per Polizeieskorte gegen 4 Uhr angekarrt. Der Dank der AfD müsste rausgehen an Georg Maier, SPD-Innenminister Thüringens, der ihr diese komfortable Anreise ermöglichte.
Nach einer Stunde Marsch im Morgengrauen über die nebligen Felder westlich von Erfurt erreichen wir unseren Blockadepunkt auf der Autobahn. Stunden vergehen, ohne dass etwas passiert. Bei anderen Blockaden setzt die Polizei an diesem Tag massiv Knüppel und Pfefferspray ein. Bei uns schaut sie mal mit einigen behelmten Kräften vorbei, zieht dann aber wieder ab. Einige Leute aus der Blockade holen Schlaf nach, andere spielen Karten oder verteilen Flyer und diskutieren: Darüber, dass die Forderung nach einem AfD-Verbot den Antifaschist:innen nur die Hände bindet, weil sie dafür selbst die Treue auf die Verfassung inklusive Aufrüstung und „deutscher Staatsräson“ für Israel leisten müssten. Oder darüber, dass die faschistischen Teile der AfD um Björn Höcke gestärkt werden, während die Partei als Ganzes einen Kurs auf Regierungsbeteiligung sucht.
Immer wieder wird durchgesagt, unsere Blockade würde „genau richtig“ stehen. Doch spätestens um 10 Uhr hat sich bei allen Teilnehmenden herumgesprochen, dass der Parteitag der AfD ungestört starten kann. Eine gewisse Ernüchterung ist zu spüren: Was machen wir hier eigentlich? Auf Plena der Delegierten wird beschlossen, weiterzuziehen Richtung Messehalle. Unterwegs vereinen wir uns mit einem anderen Blockadepunkt. Unser Demozug wächst auf eine beeindruckende Masse an. In einer endlosen Kolonne ziehen viele tausend Menschen über die Feldwege. Drei weitere Stunden dauert der Marsch, bis wir endlich in die Stadt kommen.
Am Messegelände erwartet uns eine jubelnde Menge. „Hurra, hurra, die Antifa ist da!“. Tausende Menschen, darunter Familien und Rentner:innen, bilden ein Spalier und beklatschen uns, dankbar für unseren mutigen und kräftezehrenden Einsatz. Es ist ein emotionaler Moment, der zeigt, dass die Hetze gegen angeblich gewalttätige Demonstrant:innen für diese Leute keine........
