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Es gibt keinen einfachen Ausweg für Trump aus dem Iran

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Es gibt keinen einfachen Ausweg für Trump aus dem Iran

Der Krieg gegen den Iran tritt in eine kritische Phase ein: Während der politische und wirtschaftliche Druck in Washington zunimmt, erschwert der Widerstand des Iran jeden Versuch eines einfachen Auswegs für das Weiße Haus.

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ist in eine Phase eingetreten, in der die militärische, politische und wirtschaftliche Dynamik an einem Punkt zusammenlaufen: Die Zeit beginnt, gegen Washington zu arbeiten. Für den US-amerikanischen Präsident Donald Trump besteht das Problem nicht mehr nur darin, wie man den Krieg gewinnt, sondern wie man ihn beendet. Und mit jedem Tag, der verstreicht, scheint der Spielraum für einen einfachen Ausweg kleiner zu werden.

Zwei Faktoren prägen dieses Dilemma: der wachsende Druck des US-amerikanischen politischen Systems – insbesondere innerhalb der Republikanischen Partei selbst – und die strategische Widerstandsfähigkeit des iranischen Regimes, das den Zusammenbruch verhindern konnte, den einige in Washington und Israel für unvermeidlich gehalten hatten.

Die Innenpolitik: der unsichtbare Feind des Krieges

In Trumps Krieg gegen den Iran befinden sich die unmittelbarsten Gegner des Präsidenten nicht nur in Teheran. Sie sind auch auf den Energiemärkten und im US-Wahlkalender zu finden.

Die Volatilität des Ölpreises, also die kurzfristigen Kursschwankungen – wobei Brent und West Texas Intermediate auf jede widersprüchliche Erklärung des Weißen Hauses heftig reagieren – ist zu einer zentralen politischen Variable geworden. Die Republikaner beobachten mit wachsender Besorgnis die Auswirkungen des Krieges auf die Benzinpreise und damit auch auf die Inflation und die Stimmung der Wähler:innenschaft. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Zwischenwahlen könnte eine anhaltende Preissteigerung zu erheblichen politischen Kosten führen.

Die widersprüchlichen Signale, die Trump in den letzten Tagen ausgesendet hat, spiegeln diesen Druck wider. Innerhalb weniger Stunden schwankte der Präsident zwischen der Behauptung, der Krieg sei „praktisch vorbei“, und der Warnung, dass Iran „Tod, Feuer und Zorn“ drohen würden, wenn es den Ölfluss in der Straße von Hormus blockieren würde. Diese diskursive Schwankung deutet weniger auf eine kohärente Strategie hin als vielmehr auf den Versuch, unvereinbare Ziele in Einklang zu bringen: den militärischen Druck aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Märkte zu beruhigen.

Die chaotische Pressekonferenz des Präsidenten am Montag, dem 9. März, scheint genau diesen doppelten Zweck gehabt zu haben: das Bild eines bevorstehenden militärischen Sieges zu vermitteln und gleichzeitig den Boden für eine mögliche einseitige Erklärung des Endes des Konflikts zu bereiten.

Aber die US-Innenpolitik ist nicht der einzige Faktor, der die Gleichung kompliziert macht.

Der iranische Widerstand und die Grenzen der Militärmacht

Aus strategischer Sicht hat sich die ursprüngliche Prämisse der israelisch-amerikanischen Aggression – dass das iranische Regime unter militärischem und wirtschaftlichem Druck zusammenbrechen würde – nicht bewahrheitet.

Das iranische politische System hat sich als widerstandsfähiger erwiesen, als viele in Washington und Tel Aviv erwartet hatten. Die Opposition, geschwächt durch monatelange Repressionen, Morde und Verhaftungen, hat es nicht geschafft, sich zu einer Kraft zu entwickeln, die den Krieg nutzen könnte, um den von Washington und Tel Aviv erhofften Regimewechsel herbeizuführen.

Der Iran ist nicht Afghanistan im Jahr 2001, wo eine lokale Allianz – die Nordallianz – es den Vereinigten Staaten ermöglichte, Luftunterstützung mit lokalen Bodentruppen zu kombinieren, um das Taliban-Regime schnell zu besiegen. Er ist auch nicht der Irak im Jahr 2003, wo eine Bodeninvasion das Regime von Saddam Hussein innerhalb weniger Wochen stürzen konnte.

Aufgrund seiner Größe, seiner Bevölkerung, seines ausgeklügelten Militärapparats und seiner komplexen Geografie stellt der Iran eine strategische Herausforderung ganz anderer Größenordnung dar. Eine großangelegte Bodenoffensive ist für die USA politisch nicht durchführbar, während ein Luftkrieg zwar erheblichen Schaden anrichten kann, aber offenbar nicht ausreicht, um einen Zusammenbruch des Regimes herbeizuführen.

Die Erfahrungen in Afghanistan und im Irak liefern zudem eine klare Warnung: Selbst wenn ein schneller militärischer Sieg errungen wird, ist der anschließende politische Erfolg keineswegs garantiert.

Der asymmetrische Krieg Teherans

Zu dieser strukturellen Schwierigkeit kommt die vom Iran verfolgte Strategie hinzu. Anstatt mit einer direkten konventionellen Konfrontation zu reagieren, hat sich Teheran für einen sorgfältig abgestimmten asymmetrischen Krieg entschieden.

Die iranische Logik besteht darin, die Angriffe zu absorbieren, seine Schlüsselkapazitäten – insbesondere Raketen und Drohnen – zu erhalten und den Druck auf die Schwachstellen des globalen Energiesystems, insbesondere die Straße von Hormus, aufrechtzuerhalten. Unterdessen versucht das Regime, die internationale Unterstützung für die US-Militärkampagne zu untergraben und die wirtschaftlichen Kosten des Konflikts zu erhöhen.

In diesem Bereich spielt der Iran mit einem wichtigen strategischen Vorteil: Zeit. Während unmittelbarer politischer und wirtschaftlicher Druck auf eine US-Gesellschaft lastet, die vom Krieg wenig überzeugt ist, kann die iranische Führung auf eine Strategie der langwierigen Zermürbung setzen. In Teheran geht man davon aus, dass, wenn der Konflikt lange genug andauert, der interne Druck in den USA und in den Golfstaaten letztendlich zu Verhandlungen führen wird.

Ein strategisches Dilemma ohne einfache Lösung

Angesichts dieser Lage stehen Washington zwei Hauptoptionen offen, die beide problematisch sind.

Die erste besteht darin, den Krieg zu intensivieren, die Angriffe auszuweiten, in der Hoffnung, eine Kapitulation des Iran oder einen internen Zusammenbruch des Regimes zu erzwingen, oder, was noch gravierender wäre, auf eine Balkanisierung, also Zersplitterung des Iran zu setzen. Im Gegensatz zu Israel, das die Neutralisierung der iranischen Bedrohung als zentrales Ziel betrachtet, selbst auf die Gefahr hin, dass dies zu innerem Chaos im Iran führt, messen die US-Regierung und vor allem die Golfstaaten dem „Tag danach“ im Iran große Bedeutung bei. Für diese Akteure geht es nicht nur darum, das Regime zu schwächen, sondern auch sicherzustellen, dass derjenige, der den Iran regiert, in der Lage ist, die innere Stabilität aufrechtzuerhalten. Diese Sorge ist zum Teil auf die Befürchtung großer Flüchtlingsströme, regionaler Instabilität und möglicher dauerhafter Unterbrechungen der Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion auf die Weltmärkte zurückzuführen.

Die zweite Option besteht darin, eine Verhandlungslösung anzustreben oder einseitig das Ende des Krieges zu erklären. Aber auch dieser Weg ist nicht einfach. Teheran wird einen Waffenstillstand kaum akzeptieren, ohne substanzielle Zugeständnisse zu erhalten, wie die Aufhebung von Sanktionen oder die Freigabe eingefrorener Gelder. Die Versuchung, mit einem spektakulären militärischen Manöver einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden, wird immer größer. Aber wie Edward Luce in der Financial Times betont, steht Trump vor zwei äußerst riskanten Optionen. Die erste wäre eine Kommandoaktion zur Eroberung der angereicherten Uranreserven in Isfahan, im Zentraliran. Die zweite wäre die Besetzung der Insel Kharg, um die iranischen Ölexporte zu blockieren. Beide Optionen könnten einen spektakulären Ausweg bieten, bergen jedoch erhebliche militärische und politische Risiken. Das Gespenst von Jimmy Carter und seiner gescheiterten Mission zur Befreiung der Geiseln im Iran im Jahr 1980 – die zum Scheitern seiner Präsidentschaft beitrug – schwebt über der ersten Option, während die zweite das Risiko erheblicher Verluste mit sich bringt. Doch nach nur einer Woche liegt die öffentliche Unterstützung für Trumps Krieg gegen den Iran auf dem gleichen Niveau wie für den Vietnamkrieg Ende 1967, nachdem bereits mehr als 11.000 US-Amerikaner:innen ums Leben gekommen waren. Heute würde die amerikanische Öffentlichkeit selbst einige Dutzend Opfer kaum tolerieren.

Die strategische Sanduhr

Das grundlegende Problem für das Weiße Haus besteht darin, dass sich die Sanduhr des Konflikts offenbar umgedreht hat. Zu Beginn des Krieges schien die Zeit für Washington zu sprechen, das mit einem raschen Zusammenbruch des iranischen Regimes rechnete. Heute ist das Gegenteil der Fall.

Wenn es dem Iran gelingt, seinen Druck – insbesondere auf den globalen Energiemarkt – aufrechtzuerhalten, und der Konflikt die internationale wirtschaftliche Stabilität weiter untergräbt, könnte der politische Druck auf Trump kaum noch tragbar sein.

Das Paradoxe daran ist, dass selbst wenn es den Vereinigten Staaten gelingt, den militärischen Fähigkeiten des Iran erheblichen Schaden zuzufügen, das strategische Ergebnis weiterhin ungewiss bleibt. Der Iran könnte einen Teil dieser Fähigkeiten mit der Zeit wieder aufbauen, während der Konflikt kritische Fragen wie die Zukunft seines Atomprogramms offen lässt.

Mehr noch: Wenn das Regime intakt bleibt, wenn Washington einen Waffenstillstand erklärt, wird Teheran seinen eigenen Sieg verkünden. Genau das tat Saddam Hussein nach dem Ende der Operation Desert Storm 1991: Die bloße Tatsache, dass er den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten Widerstand geleistet hatte, reichte aus, um eine militärische Niederlage in einen politischen Triumph zu verwandeln. Das ist das eigentliche Risiko für Washington und für die Glaubwürdigkeit seiner Macht über den Persischen Golf hinaus.

Dieser Artikel erschien zunächst am 10. März in Révolution Permanente.

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