Javier Bardem und ich
14. September 2026 – 3. Tischri 5787
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Javier Bardem und ich
Javier Bardem und ich
Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder - und sehe nur noch blindwütigen Hass
13.09.2026 21:47 Uhr
wir haben uns vor einigen Jahren in Venedig während des Filmfestivals kennengelernt. Es war ein Fototermin in einem Garten. Du kamst gut gelaunt auf mich zu, sahst mich an und sagtest: »Wow, du erinnerst mich so an meine Schwester.«
Wir verstanden uns auf Anhieb. Du warst sympathisch, nahbar, warmherzig, interessiert – eher Kumpel als Weltstar. Mein Assistent rollte einen großen, knallroten Samtstoff aus, du legtest Dich ohne Zögern darauf, und die Fotosession begann mit viel Lachen. Es war unbeschwert, fast so, als würden wir einander schon lange kennen. Ich glaube, das sieht man den Bildern bis heute an.
Vielleicht schreibe ich dir gerade deshalb.
Ich war und bin ein großer Bewunderer deiner Schauspielkunst. Lange dachte ich, mein öffentlicher Brief an Tilda Swinton vor drei Jahren sei alles, was ich zu diesem Thema sagen wollte. Aber inzwischen gibt es viele berühmte Menschen, die ich fotografiert und als Menschen geschätzt habe und die mir heute fremd geworden sind. Wegen Israel. Du gehörst dazu.
Ich sehe dich in den sozialen Medien lachend am Arm deiner Frau. Und im nächsten Clip sehe ich ein anderes Gesicht, sobald du über Israel sprichst: hart, wütend, fanatisch. Ich frage mich: Was passiert da mit dir?
Hasswelle gegen Ex-Soldaten bringt Adidas in Bedrängnis
Shalev Biton wurde wegen seiner Teilnahme an einer Adidas-Kampagne zur Zielscheibe israelfeindlicher Aktivisten. Nun entschuldigt sich der Sportartikelhersteller
Jetzt ist es die Geschichte von Shalev Biton, die mich dazu bringt, dir zu schreiben.
Biton ist ein israelischer Soldat, der im Jahr 2021 durch den Treffer einer aus Gaza abgefeuerten Panzerabwehrrakete an den Händen schwer verwundet wurde und ein Bein verlor. Während seiner Rehabilitation stieß er auf ein Problem, das Millionen Menschen mit Amputationen kennen: Wer nur einen Schuh benötigt, muss trotzdem ein Paar kaufen. Also wandte er sich mit einer einfachen Idee an Adidas.
Das Unternehmen hörte ihm zu. Adidas ermöglicht nun erstmals, einzelne Schuhe zu kaufen. Eine kleine Veränderung für einen Weltkonzern, eine große Erleichterung für Menschen mit Amputationen – unabhängig davon, ob sie Israelis, Palästinenser, Muslime, Christen oder Juden sind. Adidas könnte damit zugleich ein Vorbild dafür sein, wie man Brücken baut.
Und ausgerechnet dagegen rufst du zum Boykott von Adidas auf.
Das verstehe ich nicht.
Du hast kürzlich gesagt: »Love is always, always, always stronger than hate.« Genau deshalb müsste diese Geschichte doch auch Deine sein. Ein verwundeter Israeli nutzt sein eigenes Schicksal, um anderen Menschen das Leben ein wenig leichter zu machen. Er fragt nicht nach Nationalität oder Religion. Er baut eine kleine Brücke. Warum möchtest Du ausgerechnet diese Brücke einreißen?
Das ist für mich das grundsätzliche Problem deiner öffentlichen Haltung. Du sagst, du wolltest den Palästinensern helfen. Aber deine Wut richtet sich nahezu ausschließlich gegen Israel. Wo ist dieselbe Leidenschaft, wenn es um die Hamas geht? Wo ist sie, wenn Palästinenser selbst gegen deren Herrschaft protestieren? Wo ist sie, wenn Menschen in Gaza ein Leben ohne religiösen Fanatismus, Terror und Unterdrückung fordern?
2019 und 2023 protestierten Palästinenser unter dem Motto »We want to live« gegen die Hamas. Auch später gab es immer wieder Menschen in Gaza, die trotz enormer persönlicher Gefahr gegen die Islamisten aufstanden. Viele von ihnen wurden verfolgt und ermordet von der Hamas. Auch 2025 und 2026........
