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Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

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08.06.2026

08. Juni 2026 – 23. Siwan 5786

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Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

In der inneren Arithmetik einer Partei zählt am Ende oft nur eine einzige Zahl. Bei Daniel Jositsch lautet sie 109 zu 94. Mit diesem knappen Verdikt entschieden die Delegierten der SP des Kantons Zürich Ende Mai, ihren langjährigen Vertreter im Ständerat, der kleinen Kammer des Schweizer Parlaments, nicht mehr für die Wahlen 2027 zu nominieren. Acht andere Stimmen, und der Abend wäre anders ausgegangen. Eine Woche später zog Jositsch die Konsequenz: Er trat per sofort aus der SP aus und will 2027 als Parteiloser erneut antreten. 27 Jahre Sozialdemokratie enden damit nicht mit einem Programmstreit, sondern mit einer Personalie. Und doch verhandelt der Fall eine größere Frage, die auch das Verhältnis der Linken zu Israel berührt.

Man muss Jositsch nicht mögen, um zu erkennen, dass hier etwas grundsätzlich Falsches geschehen ist. Er gilt vielen als kantig, als jemand, der seine Linie auch dann verfolgt, wenn sie quer zur Stimmung liegt. Er ist kein Politiker der demonstrativen Nahbarkeit, wohl aber der gepflegten Rhetorik. Doch Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Anschmiegsamkeit, sondern dadurch, dass man weiß, wofür ein Mensch steht. Diese Verlässlichkeit machte ihn 2015 für die Zürcher SP wählbar, nach mehr als drei Jahrzehnten ohne sozialdemokratische Vertretung des Kantons Zürich im Ständerat und weit über das eigene Lager hinaus.

Eine Haltung, kein Kalkül

Jositsch unterscheidet sich von vielen seiner Kritiker nicht durch die Schärfe der Meinung, sondern durch ihre Begründung. Er entscheidet, statt zu taktieren. Er wendet einen Wertekern auf konkrete Lagen an und reflektiert das Ergebnis, ausdrücklich aus sozialdemokratischer Perspektive und nicht gegen sie. Das ist etwas anderes als die Verwaltung einer Ideologie, die ihre Antworten kennt, bevor die Frage gestellt ist. Seine Deutungen tragen, weil sie durchdacht und nicht bloß gesinnungssicher sind.

Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Anschmiegsamkeit, sondern dadurch, dass man weiß, wofür ein Mensch steht.

Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Anschmiegsamkeit, sondern dadurch, dass man weiß, wofür ein Mensch steht.

Gegen ihn ließen sich durchaus Gründe anführen, die mit Gesinnung wenig zu tun haben. Zwei eigenmächtige........

© Juedische Allgemeine