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Eva Erben: Was es bedeutet, Israeli zu sein

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27.04.2026

27. April 2026 – 10. Ijar 5786

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Eva Erben: Was es bedeutet, Israeli zu sein

Die tschechische Holocaust-Überlebende kam 1948 mit ihrem Mann Peter nach Israel

 27.04.2026 11:44 Uhr

In den meisten westlichen Medien wird Israel meist nur im Zusammenhang mit Konflikten und Politik thematisiert. Das Land und seine Menschen, ihre Ängste und Hoffnungen, werden oft missverstanden. Was also bedeutet es, Israeli zu sein? Ich will versuchen, es zu erklären.

Israeli zu sein bedeutet, Geschichte nicht als Erzählung, sondern als lebendige Erinnerung ins sich zu tragen. Es ist das Wissen, dass das jüdische Volk jahrhundertelang verfolgt, vertrieben und ermordet wurde. Nicht wegen seiner Taten, sondern einfach, weil wir Juden waren.

Es bedeutet, einmal im Jahr still zu stehen und der sechs Millionen Juden zu gedenken, die in Europa im Zweiten Weltkrieg systematisch ausgerottet wurden. Viele dieser Menschen - meine Eltern waren auch unter ihnen - glaubten, ein vollwertiger Teil ihrer Gesellschaften zu sein. Als sie merkten, dass das nicht der Fall war, war es für viele zu spät.

Israeli zu sein bedeutet zu verstehen, dass »Nie wieder« kein leerer Slogan ist, sondern eine Verantwortung, die jetzt und allezeit gilt und übernommen werden muss.

Es bedeutet, an dem einzigen Ort der Welt zu leben, an dem Juden keine Gäste sind, keine geduldete Minderheit, sondern ein Volk, das genau hier zu Hause ist. Ja, Israel ist ein kleines Land. Aber es trägt eine zivilisatorische Kontinuität in sich, die mindestens 3000 Jahre zurückreicht. Diese Kontinuität zeigt sich in der Geschichte, in der Kultur und dem riesigen archäologischen Erbe, das hier zu finden ist.

Israeli zu sein bedeutet zu wissen, dass die Verbindung zu diesem Land keine Erfindung der Neuzeit, sondern uralt ist. Lange, bevor sich die modernen Nationalstaaten herausbildeten und die Grenzen in Europa gezogen und verschoben wurde, war das jüdische Volk schon in Israel ansässig. Es baute, es glaubte und es formte eine Zivilisation, die bis heute Bestand........

© Juedische Allgemeine