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Als Feinde markiert

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27.05.2026

27. Mai 2026 – 11. Siwan 5786

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In der Hafenstadt wurden Dutzende Plakate mit roten Hamas-Dreiecken aufgehängt, auf denen zu Gewalt gegen israelsolidarische Aktivisten aufgerufen wird. Was macht das mit den Betroffenen?

Wirklich überraschend sei das für sie nicht gewesen, erzählt Tina. »Aber in so einem Ausmaß habe ich es nicht erwartet.« Tina ist nicht ihr richtiger Name, den möchte sie aus Sicherheitsgründen nicht in der Zeitung lesen. An zwei Tagen habe sie zusammen mit einem Freund ganz Kiel nach den Plakaten abgesucht. Zwischen 70 und 80 wären es schließlich gewesen. Auf denen sind neben ihr noch acht weitere Personen abgebildet – teils anonym, teils mit Namen und in einem Fall sogar mit einer mutmaßlichen Wohnadresse.

Sie alle werden auf dem Plakat als »zionistische Faschisten« und »Täter« bezeichnet. Umrandet sind die Fotos mit dem roten Hamas-Dreieck, mit dem die Terrororganisation ihre Feinde markiert. Insgesamt dürften es mehr Plakate gewesen sein. Nicht nur Tina und ihr Begleiter haben dafür gesorgt, dass sie schnell entfernt werden. Denn die Botschaft ist eindeutig: Es ist ein Aufruf zur Gewalt gegen die abgebildeten Personen. Der Grund: Sie engagieren sich gegen Antisemitismus.

»Ein Gefühl der Vereinsamung und Angst

Die Vorfälle häuften sich zuletzt. Im Februar sei sie am Rande einer israelfeindlichen Demonstration angegriffen worden, erzählt Tina. Im April 2025 habe sie nicht weit von ihrer Wohnung Sticker mit ihrem Namen und der Botschaft «Wir sehen dich» entdeckt. Bilder von den Aufklebern liegen dieser Zeitung vor. Regelmäßig begegneten ihr auch Sprüche auf Wänden wie zum Beispiel «Zios jagen», in denen zu Gewalt gegen vermeintliche Zionisten aufgerufen wird.

Die Bedrohungen haben Folgen. «Das Gefühl ist sehr stark eines von Vereinsamung und Angst», so Tina. Derzeit fühle sie sich nicht in der Lage zur Arbeit zu gehen. Sie meide Veranstaltungen und bewege sich nicht mehr ohne Begleitung in der Öffentlichkeit. «Es ist zu gefährlich, alleine im Viertel unterwegs zu sein.» Sie ist Mutter eines Teenagers, mit dem sie momentan nur ungern vor die Tür gehe. Zu groß sei die Angst, ihrem Kind könnte ihretwegen etwas passieren.

Jan Schellbach, der ebenfalls auf dem Plakat abgebildet ist, klingt gegenüber der Jüdischen Allgemeinen fast schon abgeklärt. Er ist Landesvorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft........

© Juedische Allgemeine