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Blackout im Südwesten

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06.01.2026

»Ich dachte, ich müsste sterben«, sagt Elisa Wagner (alle Namen im Text sind von der Redaktion geändert) aus Zehlendorf. Sie, ihr Partner und ihr 16-jähriger Sohn waren krank. Als die Familie am Samstagmorgen aufwachte, war die Heizung kalt und die Wohnung ausgekühlt. Es gab kein warmes Wasser und keinen Strom. Elisa Wagner verzweifelte: »Ich wusste nicht, was los ist, und konnte es mir nicht erklären.«

Ihr Partner ging vor die Tür, um Informationen einzuholen. Er kam mit der Ansage zurück: großflächiger Stromausfall im Süden Berlins nach einem Anschlag auf ein Gaskraftwerk im Ortsteil Lichterfelde. Etwa 50.000 Haushalte im Bezirk Steglitz-Zehlendorf und Umgebung waren am Samstag vom Blackout betroffen.

»Da war ich erleichtert und dachte, dass alles wieder gut wird«, erinnert sich Wagner. Schlecht ging es ihr trotzdem. Panik ergriff sie, trotz vieler Decken fror sie.

Schließlich hörten Wagner, ihr Partner und ihr Sohn die Durchsagen aus einem Polizeiauto, das durch die Straße fuhr und die Bewohner aufforderte, ihre Wohnungen zu verlassen. Doch wohin gehen, wenn man krank ist und niemanden anstecken möchte? »Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll.«

In diesen Nachmittagsstunden am Samstag hieß es noch, dass der Strom ab 18 Uhr wieder fließen würde. Daraus wurde nichts. Schließlich konnte Wagners Sohn übergangsweise zu einem seiner Freunde. Sie selbst quartierte sich bei ihrer Mutter ein, die ebenfalls krank war. Elisa Wagner packte ihren riesigen Koffer – »nur mit Bettzeug«. Wackelig auf den Beinen, musste sie sich in eine Apotheke und einen Supermarkt schleppen, um Medikamente und Lebensmittel einzukaufen.

Die Wohnung ihrer Mutter in Lichterfelde, die nicht vom Stromausfall betroffen war, war zunächst auch nicht richtig warm, konnte aber geheizt werden. »Lange würde ich es, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen, nicht schaffen, dachte ich mir«, blickt Wagner zurück. Dazu kamen die Sorgen: Würden die Rohre in der eigenen Wohnung die Kälte unbeschadet überstehen? Wer käme im schlimmsten Fall für einen Schaden........

© Juedische Allgemeine