Josef Schuster: „Juden und Muslime sind keine Erzfeinde“
04. Mai 2026 – 17. Ijar 5786
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Josef Schuster: »Juden und Muslime sind keine Erzfeinde«
Bald startet der Katholikentag in Würzburg. Mit dabei: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Welche Tipps er für Gäste hat - und wie er auf Juden, Christen und Muslime in aufgeheizten Zeiten blickt
Josef Schuster ist Würzburger seit seinem zweiten Lebensjahr und beim Katholikentag vom 13. bis 17. Mai in der Stadt aktiv - etwa bei einer jüdisch-christlichen Gemeinschaftsfeier, an der auch der Würzburger Bischof Franz Jung teilnimmt. Im Interview spricht der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland über das Christentreffen, die Situation von Jüdinnen und Juden hierzulande nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gazakrieg, über Antisemitismus und den Islam. Für die Gäste des Katholikentags hat Schuster zwei Tipps.
Herr Schuster, was bedeutet es Ihnen als Würzburger, dass der Deutsche Katholikentag in diesem Jahr in Ihrer Stadt gefeiert wird?Der Katholikentag ist für die Stadt ein ganz bedeutendes und besonderes Ereignis. Ich selbst lebe seit meinem zweiten Lebensjahr in der Stadt und bin hier verwurzelt. Ich sehe es auch als eine Würdigung der Stadt und der katholischen Kirche in Würzburg, dass der Katholikentag dieses Jahr hier stattfindet.
War Ihre Gemeinde beziehungsweise der Landesverband Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern im Vorfeld an den Planungen beteiligt?Ich wurde insbesondere bei der Planung der christlich-jüdischen Programmteile recht umfangreich eingebunden, ja.
Im Programm heißt es: »Der seit Jahrzehnten bestehende Dialog zwischen Menschen jüdischen und christlichen Glaubens bei Katholikentagen ist wichtiger denn je.« Wie sehen Sie das, gerade mit Blick auf die ganze Gesellschaft?Der Satz drückt genau das aus, was heute Fakt ist. Wir hören insbesondere seit 2023 sehr laut antijüdische Ressentiments und Stimmen und erleben auch antijüdische Taten. Wer meint, das hängt alles einfach mit einer Politik des Staates Israel zusammen, hängt einem Irrglauben an. Das mag eine Rolle spielen, aber es ist ganz sicher nicht der eigentliche Grund. Es ist vielmehr ein Ventil nach dem Motto: Endlich kann man das sagen, was man schon lange gedacht hat, aber nicht aussprechen konnte oder........
