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Tikkun Olam am Abend

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29. Oktober 2026 – 18. Cheschwan 5787

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Das Geheimnis der Waldschnepfe

Berlin im Herbst. Oranienburger Straße, halb acht Uhr abends. Mittlerweile ist es schon wieder dunkel, und die Autos malen à la Lesser Ury gelbe und rote Streifen auf die Straße. Auf dem Weg zur U-Bahn, in der Nähe der Neuen Synagoge, stoppt ein kleiner Menschenauflauf meinen schnellen Stadtschritt. Im Kreis stehen sie um einen dunklen Punkt auf dem Gehweg. Ich stelle mich dazu und erkenne einen kleinen Vogel mit einem ziemlich langen Schnabel, der einfach nur dasitzt, und dessen Hilflosigkeit uns alle nicht weitergehen lässt.

Wie eine Elefantenherde stehen wir schützend um das verletzte Tier und wehren Fußgänger ab, die blind vom Handy vor dem Gesicht auf den Vogel treten würden, und auch eine Laufgruppe von rund 20 Leuten, die mit lauter Musik und grellen Lichtern am Körper den Gehweg flutet. Der Vogel sitzt weiter ganz ruhig da. Sein Gefieder ist wunderschön braun gemustert. Er hat etwas Blut am Schnabel.

Wir zücken unsere Mobiltelefone, aber das einzige Foto, das vom Vogel gemacht wird, dient dazu, herauszufinden, was für einer er ist. »Waldschnepfe«, sagt eine sehr blonde Frau schließlich. Wir vermuten, dass er gegen eine Scheibe geflogen oder geschwächt vom Weg in den Süden abgestürzt ist. Manche Waldschnepfen fliegen vor dem Winter bis nach........

© Juedische Allgemeine