menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Sei wie ein kleiner Berg

23 0
21.05.2026

21. Mai 2026 – 5. Siwan 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Sei wie ein kleiner Berg

Der Ewige wählte nicht den höchsten Gipfel der Wüste Sinai für die Offenbarung der Tora. Dahinter steckt eine Botschaft

Fragt man einen Makler nach dem Geheimnis einer wertvollen Immobilie, wird er kaum lange zögern: Lage, Lage und nochmals Lage. Vieles lässt sich verschönern, erweitern, modernisieren – doch der Standort selbst entzieht sich jeder nachträglichen Korrektur. So kommt es, dass Menschen bereit sind, für ein Stück Erde Summen zu zahlen, die jede nüchterne Betrachtung übersteigen, allein weil es an einem bestimmten Ort liegt, umgeben von reichen Nachbarn, Aussicht oder bedeutsamer Geschichte.

In der großen Menschheitsgeschichte scheint der Standort hingegen seine Vorrangstellung zu verlieren. Wir erinnern uns an Ereignisse wegen ihrer Wirkung, nicht wegen ihrer Koordinaten. Wer über Pessach spricht, denkt an Knechtschaft und Erlösung, an Finsternis und Licht; dass sich all dies in Ägypten zutrug, erscheint fast nebensächlich. Man könnte sich genauso einen Auszug aus Saudi-Arabien vorstellen.

Ort und Inhalt sind untrennbar miteinander verknüpft

Ebenso verhält es sich mit Schawuot: Wir gedenken an diesem Feiertag der Gabe der Tora, nicht der geografischen Bescheidenheit eines Wüstenbergs. Doch bei näherem Hinsehen können wir erkennen, dass Ort und Inhalt untrennbar miteinander verknüpft sind. »Mizrajim«, das hebräische Wort für »Ägypten«, wurzelt im Begriff »Meitzar« – Enge, Bedrängnis.

Es war nicht nur ein Land, sondern ein Zustand. Unsere Weisen lehren, dass kein Sklave diesem System jemals entkommen konnte. Es war ein Gefängnis, nicht nur aus Stein, sondern aus Gedanken, Zwängen und........

© Juedische Allgemeine