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Mörderische Mitmacher

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04.01.2026

Jedes Jahr erscheinen auf dem deutschen Buchmarkt eine Menge neuer Titel zum Thema Nationalsozialismus. In den Blick genommen werden dabei aber meist nur ganz bestimmte Aspekte und Details, meint Götz Aly. Die »zentralste Frage aller deutschen Fragen«, so der renommierte deutsche Zeithistoriker, gerate dadurch aber in Vergessenheit, und zwar: »Wie konnte das geschehen?«

Sein neuestes Buch trägt genau diesen Titel und bringt seine bisherigen Forschungen zur zwölf Jahre andauernden Herrschaft der Nationalsozialisten und ihrer Vorgeschichte zusammen.

Der Impuls, sich überhaupt mit der Frage zu befassen, geht auf Alys Tochter zurück. Denn vor fast 30 Jahren, als sie ihren Vater darum bat, gemeinsam die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen zu besuchen, fragte sie: »Sag mal, und bei alldem war Opa irgendwie dabei?« »Ja – irgendwie auch«, antwortete Aly damals. Seinen eigenen Vater, der in der Hitler-Jugend eine Karriere gemacht hatte, charakterisiert der heute 78-Jährige, der viel beachtete Bücher zur Wirtschaft und Gesellschaft des NS-Staats sowie zum Holocaust veröffentlicht hat, in seinem Buch als »unbedeutenden Mitläufer«.

Die Person Ernst Aly steht auf den über 760 Seiten von Wie konnte das geschehen? definitiv nicht im Zentrum. Knapp eingestreut ist seine Biografie in das Buch aber immer wieder. Vielleicht hätte sie etwas ausführlicher dargestellt werden können. In jedem Fall aber ist ein solcher autobiografischer Bezug in der deutschen Geschichtsschreibung zum Nationalsozialismus eher selten.

Zumindest unter nichtjüdischen deutschen Historikern ist es nach wie vor........

© Juedische Allgemeine