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Mit offener Hand

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21.05.2026

21. Mai 2026 – 5. Siwan 5786

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Das Gebot des Zehnten ist weit mehr als eine soziale Maßnahme. Es ist eine geistige Übung

Es beginnt unscheinbar, fast nüchtern: »Du sollst verzehnten …« (5. Buch Mose 14,22). Ein Satz, der nach Ordnung klingt, nach Regelwerk, nach Pflicht. Und doch verbirgt sich hinter diesen Worten eine der grundlegendsten Einsichten der Tora: Unser Verhältnis zu Besitz ist niemals nur eine äußere Frage – es ist eine Frage des Herzens.

Der Mensch arbeitet, erntet, baut auf. Er investiert Zeit, Kraft und Hoffnung. Und irgendwann entsteht daraus etwas Greifbares: Ertrag, Wohlstand, Sicherheit. Es ist nur natürlich, dass er sagt: Das ist mein Werk, das gehört mir.

Doch genau an diesem Punkt setzt die Tora an – leise, aber entschieden. Sie unterbricht diese Selbstverständlichkeit und sagt: Gib einen Teil davon ab! Nicht irgendwann, nicht erst im Überfluss, sondern von Anfang an!

Das Gebot des Zehnten ist daher weit mehr als eine soziale Maßnahme. Es ist eine geistige Übung. Eine Übung im Loslassen. Denn indem der Mensch gibt, erkennt er: Besitz ist nicht absolut. Er ist geliehen, anvertraut, eingebettet in ein größeres Ganzes.

Wer nur sichert, verliert am Ende die Fähigkeit zu teilen

Diese Haltung steht im Kontrast zu einer Welt, die Besitz oft als Ausdruck von Kontrolle versteht. Wer hat, so denken wir, der sichert sich ab. Doch die Tora zeichnet ein anderes Bild: Wer nur sichert, verliert am Ende die Fähigkeit zu teilen – und damit etwas Wesentliches seines Menschseins.

Ein alter Gedanke aus der jüdischen Tradition bringt es auf den Punkt: Nicht der Mensch besitzt das Geld – das Geld besitzt den Menschen. Der »Zehnte« durchbricht diesen Kreislauf.

Die Tora spricht vom siebten Jahr, dem sogenannten Erlassjahr. Schulden sollen aufgehoben werden.

In einer Welt, die stark von wirtschaftlicher Logik geprägt ist, wirkt dieser Gedanke fast utopisch. Schulden erlassen? Verpflichtungen lösen?

Doch die Tora denkt nicht nur ökonomisch – sie denkt existenziell. Sie weiß, dass dauerhafte Verschuldung nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine seelische Belastung ist. Wer keine........

© Juedische Allgemeine