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Losing My Religion?

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19.02.2026

19. Februar 2026 – 2. Adar 5786

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Warum Selbstmitleid und Eskapismus im Kampf gegen die Feinde der Demokratie nicht helfen

Wir sind mit uns selbst beschäftigt. Dafür haben wir Juden leider Gründe. In wenigen Tagen ist Purim, und ich vermute, dass ich nicht die Einzige bin, die sich fragt: Was könnte am Feiertag passieren? Ist jetzt jeder Jom Tow ein Fest der Antisemiten?

An Jom Kippur hatte ich eine böse Vorahnung und ließ das Handy an. Am Vormittag dann die Nachricht: Attentat auf Beter einer Synagoge in Manchester. Zwei Tote. »Willst du heute Abend trotzdem in die Synagoge?«, fragte ich meinen Sohn. Der befand: »Ich kann den Tag auch überleben, ohne umgebracht zu werden.«

Erew Chanukka war ein Sonntag. Im Fitnessstudio, an der Kaffeebar sitzend, wünschte ich meinen Freundinnen per WhatsApp »Chanukka Sameach«. Eine antwortete im Chat: »Kein fröhliches Chanukka.« Ich schrieb zurück: »Was ist denn jetzt schon wieder los? Bitte keine Nachrichten am Wochenende!« Zu spät. Im Netz sah ich die Berichte über das Massaker am Bondi Beach. Das Einzige, das ich denken konnte, war: »Dazu fällt mir nichts mehr ein.«

Mein Sohn wollte nicht in die Synagoge: »Ich kann den Tag überleben, ohne umgebracht zu werden.«

Mein Sohn wollte nicht in die Synagoge: »Ich kann den Tag überleben, ohne umgebracht zu werden.«

Ich fuhr nach Hause. Dort hämmerte mein Sohn Chanukkalieder auf dem Klavier. Ganz laut. Am Abend zündeten wir die erste Kerze. Und jeden Abend darauf eine weitere. Zu Hause, in der Arbeit, mit Freundinnen und Freunden. »Losing My Religion?« Im Gegenteil. Ich habe noch nie so viel Chanukka gefeiert wie im vergangenen Dezember. Noch nie seit dem 7. Oktober 2023 war so viel Dunkelheit. Und so viel Licht.

Im Januar 2026 gingen die Lichter aus. Nicht in unserer Nachbarschaft in Friedenau, aber weiter südlich, in Zehlendorf. Ein Anschlag auf ein Kraftwerk, zu dem sich Linksextremisten bekannten,........

© Juedische Allgemeine