Licht und Schatten
25. Juni 2026 – 10. Tamus 5786
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Unser Autor hat vor 38 Jahren die Videoskulptur »Menora/Inventur« geschaffen. Warum sein Kunstwerk demnächst in Prag zu sehen ist – nicht aber in einer Ausstellung in Karlsruhe
Im Jahr 1988 kreierte ich – damals noch als Student des legendären Nam-June Paik an der Kunstakademie Düsseldorf – einen siebenarmigen Metall-Leuchter, die jüdische Menora, gekrönt mit sieben kleinen Monitoren, aus denen sieben Antennen ins Unbestimmte herausragten. Auf den kleinen Schwarz-Weiß-Monitoren brannte ein elektronisches Feuer, das aus »Irgendwo« mithilfe eines kleinen TV-Senders zu den Monitoren übertragen wurde. Die unsichtbare Übertragung des Feuers hatte eine metaphysische Bedeutung. Ich nannte die Arbeit »Inventur«.
Während der damaligen Jahresausstellung stellte ich die Menora auf der Zwischenetage des monumentalen Treppenhauses der Kunstakademie aus. Um den Leuchter herum platzierte ich einige leere Feuerlöscher. Es kostete mich damals viel emotionale Überwindung, meine Identität preiszugeben. Ein weiteres Motiv für die Menora war die Erkenntnis, dass die Bedrohung der Juden in Deutschland endgültig erloschen war. Die Feuerlöscher waren nicht mehr funktionsfähig. Das jüdische Feuer konnte nicht mehr gelöscht werden.
Als Kind von Holocaust-Überlebenden waren deren Überlebenserfahrungen dauerpräsent
Als Kind von Holocaust-Überlebenden waren deren Überlebenserfahrungen bei uns dauerpräsent. Nam-June Paik bemerkte bei der Eröffnung der Jahresausstellung damals: »Ich habe den Buddha vor dem Fernseher kreiert« (die ikonische Videoarbeit des Vaters der Videokunst), »und du hast eine Video-Menora gemacht – nicht schlecht.«
Die Arbeit wurde in verschiedenen internationalen Ausstellungen gefeiert. Sie wurde in Kunstzeitschriften in Frankreich, den Vereinigten Staaten und Deutschland besprochen und mit Preisen ausgezeichnet. Ein Besucher der Jahresausstellung wollte mir damals für die Menora 6000 D-Mark geben. Obwohl ich kaum Geld hatte, lehnte ich ab. Ich hoffte, dass die Arbeit einen würdigen Ausstellungsort finden würde.
Plumper Antisemitismus wäre mir in gewisser Weise lieber.
Plumper Antisemitismus wäre mir in gewisser Weise lieber.
Und tatsächlich wurde ich ein Jahr später von dem damaligen Gründungsdirektor des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe, Heinrich Klotz, angesprochen, ob ich die Arbeit für die neue entstehende Sammlung des Hauses verkaufen würde. Ich fühlte mich geehrt – vor allem, als feststand, dass es die erste Arbeit der neuen Sammlung werden sollte. Sie erhielt die Inventarnummer 001.
Im Katalog der »MultiMediale 2« im ZKM in Karlsruhe schrieb damals Wolfgang Werth unter anderem: »Michael Bielickýs Kunst tritt überraschend auf den Plan: Mit ihr hatte man nicht mehr gerechnet. Archaisches und Zeitgenössisches, jüngste Geschichte und Zeitloses prallen aufeinander in einer leisen Arbeit, die eine Flut von Assoziationen auslöst, ohne sie zu lenken.«
Die Mauer........
