menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Geben und Nehmen

25 15
20.02.2026

20. Februar 2026 – 3. Adar 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Das menschliche Leben ist von Abhängigkeiten geprägt. Wer dies akzeptiert, öffnet sich für die Gemeinschaft und die göttliche Gegenwart

Die Parascha Teruma eröffnet einen grundlegenden und richtungsweisenden Abschnitt der Tora. Nach einer Abfolge dramatischer und einmaliger Ereignisse – dem Auszug aus Ägypten, der Teilung des Schilfmeeres, der Offenbarung am Sinai und der Begründung des Bundes zwischen Gott und dem Volk Israel – würde man erwarten, dass sich der Text weiterhin mit großen Ideen, Glaubensfragen und moralischen Grundsätzen befasst. Stattdessen vollzieht die Tora eine überraschende Wendung und richtet das Augenmerk auf scheinbar technische Details: präzise Maße, Materialien, Geräte, Balken, Stoffe, Gold, Silber und Kupfer.

Auf den ersten Blick wirkt dieser Übergang wie ein Abstieg vom Geistigen ins Materielle. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass gerade hier eine der zentralen Fragen menschlicher Existenz verhandelt wird: Wie kann göttliche Gegenwart Teil des konkreten Alltags werden und nicht nur eine abstrakte Idee bleiben?

Zwei Verse stehen im Zentrum der Parascha

Zwei Verse stehen im Zentrum der Parascha. Der erste eröffnet den Prozess: »Sprich zu den Kindern Israels, dass sie mir eine Abgabe nehmen sollen; von jedem, den sein Herz dazu bewegt, sollt ihr meine Abgabe nehmen« (2. Buch Mose 25,2). Der zweite formuliert das Ziel: »Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne« (25,8).

Zwischen diesen beiden Aussagen entfaltet sich eine tiefgehende Weltsicht, die das Verhältnis zwischen Mensch und Gott, zwischen Materie und Geist sowie zwischen menschlichem Handeln und göttlicher Nähe neu bestimmt.

Auffällig ist die Wortwahl der Tora: Sie spricht vom Nehmen und nicht vom Geben. Damit wird deutlich gemacht, dass Geben kein einseitiger Verlust ist. Wer gibt, nimmt zugleich etwas auf – Sinn, Verantwortung und Zugehörigkeit. Die Abgabe ist kein materieller Verzicht, sondern ein Schritt aus der eigenen Begrenztheit heraus. Der Mensch wird vom passiven Konsumenten der Welt zu einem aktiven........

© Juedische Allgemeine