Flucht und Ankunft
24. Mai 2026 – 8. Siwan 5786
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Manfred Eisner erzählt vom Exil und seinem neuen Leben in einem kleinen Dorf
Mein zweites Leben als Hobbyautor begann spät – im Jahr 2010. Seither sind neben einer Romantrilogie 16 Kriminalromane sowie meine 2024 im Verlag Hentrich & Hentrich erschienene Familienchronik Verhasst-geliebtes Deutschland veröffentlicht worden. Heute gehöre ich zu den letzten Zeitzeugen, die mit Lesungen an Schulen die Erinnerung an die Schoa wachhalten und sich gegen den wieder erstarkenden Judenhass und Rechtsextremismus einsetzen. Schließlich habe ich einiges zu erzählen.
Ich wurde 1935 in München geboren. Meine Eltern waren jüdisch. Mein Vater Erich Eisner wurde 1897 in Prag geboren. Als er ein Jahr alt war, zogen meine Großeltern mit ihm nach München. Bereits als Jugendlicher studierte er Harmonie, Komposition und Dirigieren an der Münchner Akademie der Tonkunst. Studienbegleitend hospitierte er als Bühnenassistent und Korrepetitor unter Maestro Bruno Walter an der Oper des Münchner Nationaltheaters.
Ich wusste nichts von der Machtergreifung Hitlers
Ab 1929 nahm der Judenhass massiv zu, sodass kaum noch ein Intendant wagte, seinem Publikum einen jüdischen Kapellmeister zu präsentieren. Und so wurde mein Vater arbeitslos. Er engagierte sich für den Kampf gegen Antisemitismus, dirigierte das »Jüdische Kammerorchester München« und vertonte zahlreiche Gedichte jüdischer Autorinnen und Autoren. Zudem war er Organist an der Hauptsynagoge München, bis sie 1938 vom NS-Regime zerstört wurde.
1927 lernte er im Jüdischen Jugendverband München meine damals 20-jährige Mutter Elsa Knoblauch kennen. Ein paar Jahre später, am 14. Juni 1934, wurden meine Eltern in der Synagoge an der Reichenbachstraße von Rabbiner Leo Bärwald getraut.
Mein zweites Leben als Autor begann 2010. Ich habe 16 Krimis und eine Romantrilogie verfasst.
Mein zweites Leben als Autor begann 2010. Ich habe 16 Krimis und eine Romantrilogie verfasst.
Meine ersten Lebensjahre verliefen sehr froh und unbeschwert. Ich blieb verschont von den furchtbaren Ereignissen, die uns und meine Umgebung mit Beginn 1933 trafen. Ich wusste nichts von der Machtergreifung Hitlers und dessen schrecklichen Folgen für uns Juden, die auch den Alltag unserer Familie vergifteten. Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine frühe Kindheit, auch geprägt durch die zahlreichen Fotografien, mit denen mein Onkel Hermann, ein leidenschaftlicher Fotograf, unser Familienleben dokumentierte.
Als Vierjähriger ahnte ich nichts davon, dass mein Vater nach der Pogromnacht, seiner Verhaftung und der Internierung im KZ Dachau nach England flüchten musste. Für meine Mutter waren es bange und schmerzvolle Monate.........
