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Den inneren Löwen besiegen

23 19
20.02.2026

20. Februar 2026 – 3. Adar 5786

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Den inneren Löwen besiegen

Was unsere Weisen über die physische Wirklichkeit hinter der spirituellen Realität des Tanach lehrten

Einer der Kämpfer in König Davids Armee hieß Benajahu, Sohn des Jehojada. Im Tanach ist über ihn zu lesen: »Und Benajahu, der Sohn Jehojadas, ein streitbarer Mann von großen Taten, war aus Kabzeel. (…) Er stieg hinab und erschlug einen Löwen in einem Brunnen, als Schnee gefallen war« (2. Samuel 23,22).

Die talmudischen Weisen (Brachot 18b) sind uneins über die Auslegung dieses Verses. Einige sagen, es bedeute, dass er Eisblöcke zerbrach und hinabstieg, um sich im Wasser zu reinigen. Andere wiederum verstehen es so, dass er an einem Wintertag die gesamte Sifra, den halachischen Midrasch über das Buch Wajikra aus der Schule des Rav, lernte.

Der Löwe als Metapher für den bösen Trieb

Keiner der Weisen ist der Meinung, dass Benajahu tatsächlich einen Löwen erschlug, nachdem er an einem verschneiten Tag in den Brunnen hinabgestiegen war. Vielmehr sehen sie in dem Löwen eine Metapher für den bösen Trieb, den Benajahu überwinden musste, um in die eiskalte Mikwe hinabzusteigen und sich rituell zu reinigen. Trotz dieser inneren Widerstände besiegte er seinen »inneren Löwen«. Andere Weisen sehen in diesem Löwen den Trieb, mit dem Studium der Tora nachzulassen – auch diesen »Löwen« besiegte Benajahu.

Diese Stelle, die nur wenige Zeilen im riesigen Talmud einnimmt, trägt eine unvergleichliche philosophische Tiefe für........

© Juedische Allgemeine