Das Glück, wenn ich es will
17. Mai 2026 – 1. Siwan 5786
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Das Glück, wenn ich es will
Gérard Blitz und Gilbert Trigano gründeten einst den Club Méditerranée. Und eine Utopie der Gemeinsamkeit aus der Nachkriegszeit wurde zum Trend
Wer, wie der Autor, in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren in einem frankofonen Land lebte und den Fernseher einschaltete oder ins Kino ging, kam an dieser Werbekampagne nicht vorbei: Ein Mann in gelben Shorts liegt am Strand, strahlende Sonne am knallblauen Himmel und im Hintergrund Meer. Nacheinander defilieren Menschen an ihm vorbei, Tennis oder Golf spielend, mit Taucherflossen, in Ballettschuhen oder auf dem Mountainbike. Doch er winkt ab und blättert lieber weiter in seiner Strandlektüre. Dann erscheint der berühmte Werbespruch: »Le bonheur, si je veux.« Das Glück, wenn ich es will.Als die Kampagne anlief, war Club Méditerranée, den alle nur »Club Med« nennen, längst ein international tätiger Konzern, der Millionen von Urlaubern in die All-inclusive-Ferien schickte. Dabei hätten die Anfänge nicht bescheidener sein können. Was sich heute als erfolgreiches Paket aus zweckmäßiger Unterkunft, Rundumverpflegung und einem vielfältigen Programm an animierten Aktivitäten präsentiert, nahm im Jahr 1950 unter widrigen Umständen als einfachstes Sommerlager auf Mallorca seinen Anfang. Die Köpfe dahinter waren ein belgischer und ein französischer Jude, beide Widerstandskämpfer und unternehmerische Visionäre – jeder auf seine Art.
Karriere als Wassersportler
Gérard Blitz kam 1912 in Antwerpen zur Welt. Als Kind einer jüdischen Familie, die im internationalen Diamantenhandel tätig war, wuchs er in einem klassisch bürgerlichen Milieu auf. Mit 16 verließ er die Schule, versuchte sich kurz im Diamantenhandel und schlug schließlich, wie zahlreiche seiner Verwandten, eine Karriere als Wassersportler ein. Sein Vater Maurice hatte Belgien bei den Olympischen Spielen 1920 und 1924 im Wasserball vertreten; ein Onkel gewann 1936 in Berlin als einer der wenigen jüdischen Athleten eine Medaille. Blitz trat der Kommunistischen Partei bei, verließ sie aber bald wieder – die Organisation war ihm zu starr und zu hierarchisch.Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zerstörte diese selbstbestimmte Welt abrupt. Blitz diente zunächst in einem Sportlerregiment der belgischen Armee. Nach der Kapitulation wurde er denunziert und von der Gestapo verhaftet, kam aber kurz darauf aufgrund der Fürsprache des Antwerpener Bürgermeisters wieder frei – was einiges über die Verbindungen seiner Familie besagt. Daraufhin setzte er sich nach Paris ab, wo er sich der Résistance anschloss und schließlich als Agent der britischen Special Operations Executive (SOE) rekrutiert wurde.Die im Volksmund auch »Ministry of Ungentlemanly Warfare« (etwa: Ministerium für unfeine Kriegsführung) genannte Truppe war von Premierminister Winston Churchill für besonders riskante Attentate, Sabotageaktionen und Waffenschmuggel gegründet worden.Nach dem Krieg verlieh Belgien Gérard Blitz für seine Verdienste in der Résistance mehrere Auszeichnungen. Während sich die Europäer nach 1945 an den Wiederaufbau machten, übertrug die belgische Regierung eine wichtige Aufgabe an den Kriegshelden Blitz: die Betreuung flämischer und wallonischer KZ-Überlebender. Blitz mietete ein Hotel in der Nähe von Chamonix und stellte die medizinische Versorgung und soziale Wiedereingliederung der Teilnehmer sicher.
Der eigentliche Ursprung
Der Soziologe Alain Ehrenberg sieht darin den eigentlichen Ursprung des Club Med. Indem Blitz den Befreiten wieder beibrachte zu leben, habe er das zentrale Prinzip des Clubs entdeckt: den sicheren Raum, die gemeinsamen Routinen und die bewusste Nutzung gemeinschaftlicher Aktivität, um die Fähigkeit zu einem möglichst normalen Leben wiederherzustellen. Blitz selbst bezeichnete die Chamonix-Zeit später als »Vorgeschichte des Clubs«.Die eigentliche Idee für den Club Med entwickelte Blitz 1949 auf Korsika, als er seine Schwester Judith, genannt Didy, in Calvi besuchte. Didy arbeitete damals in einem Ferienlager........
