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Das Erbe der Simsons

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thursday

30. Juli 2026 – 16. Aw 5786

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Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

So weit das Auge reicht. Zweitakter knattern, rattern, klingen wie rostige Nähmaschinen, Vuvuzelas auf Rädern, vom Tower des Grasflugplatzes am Rande der thüringischen Stadt Suhl über die Brache und Felder. »Zwiebacksägen« hießen sie im Volksmund der DDR. Mopeds vor allem der Modelle S51 und S52, unkaputtbare Roller der Marke »Schwalbe« oder die seltenen Exemplare der sogenannten Vogelreihe: »Sperber«, »Spatz«, »Star« oder »Habicht« spucken Gift – und gute Laune.

Es sind Tausende. Und beinahe ebenso viele Zelte pferchen sich auf dem abgetretenen Rasen. Toxische Wolken quer durch die Menge quirlender Maschinen mischen sich mit Holzkohle, Bratwurstduft und der »Miss«- und »Mister Simson«-Wahl zum Sound des Ostens.

Etwa zur selben Zeit beginnt rund 50 Kilometer entfernt, in Erfurt, der Bundesparteitag der AfD. Gegendemonstrationen beschäftigen Hundertschaften der Polizei, die in ebenso langen Konvois aus allen Richtungen anreisen. Die Proteste bleiben weitgehend friedlich.

In Suhl sitzen derweil halb nackte Halbstarke, Väter und Großväter im Biker-Outfit, Kleinkinder, Mütter mit großflächigen Tattoos, Omas in Lederkluft auf den Mopeds »Made in GDR« – man glaubt es kaum: manchmal alle zusammen. Die Dinger ziehen, tragen, schieben einfach alles. 60 Stundenkilometer dürfen sie offiziell fahren, doch die eine oder andere Maschine wurde schon mit weit über 100 geblitzt.

Seit 2002 werden die Mopeds nicht mehr produziert

Seit 2002 werden die Mopeds nicht mehr produziert. »Sechs Millionen sind vom Band gelaufen, und sieben Millionen sind auf der Straße«, bringt Hartmut Göbel vom Förderverein des Suhler Simson-Museums das Phänomen auf den Punkt.

Das kleine Suhl mit seinen rund 35.000 Einwohnern ist an diesem Juli-Wochenende im Ausnahmezustand. Einmal im Jahr treffen sich die Simson-Fans, diesmal zum zehnten Mal. Tausende Moped-Enthusiasten sind auf ihren herausgeputzten Legenden gekommen, aus allen Teilen der Bundesrepublik und sogar aus Belgien, Holland oder England.

Hinter den meisten Bikern verbirgt sich jedoch eine eher heimische Biografie. »Ich bin gebürtiger Sachse, aus Hoyerwerda«, sagt Martin Barthol, 38, auch wenn er mit dem rund 50 Mann starken Verein »Simson Freunde Bonn« und mehreren Anhängern aus der Eifel angereist ist. Sein Vater habe ihn bereits als Sechsjährigen auf der Simson mitgenommen, »seither bin ich ein gebranntes Kind«.Sein........

© Juedische Allgemeine