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Die unerfüllbare Sehnsucht nach dem wohlmeinenden Diktator

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07.02.2026

Düsseldorf. Die Ökonomen des Ifo-Instituts sind besorgt. „Reformoptionen für eine wirtschaftlich nachhaltige Rente finden wenig Zustimmung in der Bevölkerung“, titelten sie jüngst in einer Pressemitteilung. Eine aktuelle Umfrage belegt, dass die Mehrheit der Bundesbürger die Reformen ablehnt, die die Nachhaltigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung erhöhen würden.

Die Wirtschaftsforscher zeigten sich enttäuscht, dass gleich zwei Maßnahmen „nicht sehr populär“ sind, obwohl sie nach Ansicht der Ökonomen „notwendig“ seien: Es geht zum einen um die Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung und zum anderen um geringere Rentenerhöhungen.

Tatsächlich spiegelt sich in diesem Befund das Dilemma der Rentenpolitik wider. Während eine Allianz aus Ökonomen und Journalisten sich bemüht, für eine möglichst nachhaltige Finanzierung der Rentenversicherung zu werben, lehnt eine Mehrheit der Wähler dies ab. Doch es sind die Bürger, die sich in einer Demokratie mehrheitlich für Reformen entscheiden müssen. Als Politiker analytisch begründete Reform-Ratschläge ohne diese Mehrheit einfach umzusetzen, käme einem politischen Selbstmord gleich – und würde Populisten den Weg an die Macht ebnen.

In einführenden Ökonomievorlesungen – aber nur dort – wird in solchen Fällen oft ein „wohlmeinender Diktator“ ins Spiel gebracht. Diese Kunstfigur handelt frei von politischen Einflüssen und Eigeninteressen, entscheidet rational, verfügt über vollständige Informationen und ist bestrebt, den Nutzen der Gesellschaft zu maximieren und auf einen optimalen Entwicklungspfad zu lenken.

Nun sind Ökonomen Experten für Effizienzfragen, Prognosen und Simulationsrechnungen. Doch reine Effizienzprobleme kommen im realen politischen Alltag selten vor. Eine Reform, die niemanden........

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