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Warum der Streik trotz des Ärgers für Fahrgäste berechtigt ist

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26.02.2026

Warum der Streik trotz des Ärgers für Fahrgäste berechtigt ist

Stand: 26.02.2026, 16:13 Uhr

Von: Steffen Herrmann

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Der Verdi-Warnstreik legt zwei Tage lang Busse und Bahnen lahm. Doch schlechte Arbeitsbedingungen der Beschäftigten gefährden die Verkehrswende. Der Leitartikel.

Endlich klettern die Temperaturen, endlich zeigt sich die Sonne. Und ausgerechnet jetzt stehen Busse und Bahnen still?

Mit ihrem bundesweiten Warnstreik macht die Gewerkschaft Verdi vielen Menschen einen Strich durch die Pläne: Der Weg ins Büro oder in die Schule ist beschwerlicher als sonst, der eine oder andere Ausflug muss entfallen. So ist das, wenn Busse und Bahnen im Depot bleiben.

Der Warnstreik ist breit angelegt, schließlich geht es um viel: die Arbeitsbedingungen von rund 100.000 Beschäftigten in knapp 150 kommunalen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben.

Die Fahrerinnen und Fahrer schultern die Verkehrswende: Es geht um eine Umgestaltung unserer Mobilität – weg vom Individualverkehr, hinein in den Bus und die Bahn. Zumindest dort, wo es möglich ist. Wenn sie effizient, klimafreundlich und sozial gerecht ausgestaltet wird, ist die Verkehrswende erstrebenswert.

Also freie Fahrt voraus? Nicht ganz. Die Last auf den Schultern der Beschäftigten wiegt schon heute schwer, wie Studien und Erfahrungsberichte zeigen: Schichtarbeit, Personalmangel, hohe Krankenstände – und dazu Löhne, mit denen das Leben und Wohnen vielerorts nicht einfach ist.

Betriebsräte und die Gewerkschaft klagen über unbezahlte Pausen und Wegezeiten; in einer Studie aus dem vergangenen Jahr kommen Verdi und Klimaallianz Deutschland auf zweieinhalb Wochen zusätzliche, unbezahlte Arbeit pro Jahr und Beschäftigtem.

Das Ergebnis überrascht nicht: In vielen Betrieben ist die Fluktuation hoch. Wer kann, wechselt in einen anderen Job oder eine andere Branche.

Die Verkehrswende kann nur gemeinsam mit den Beschäftigten gelingen. Ohne sie ist der Ausbau des ÖPNV nicht zu stemmen. Wer sollte die Busse und Bahnen auch fahren? Künstliche Intelligenz wohl nicht. Deshalb ist es richtig, dass Verdi die Arbeitsbedingungen in den Blick nimmt und den Druck auf die Arbeitgeber erhöht.

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Diese warnen vor hohen Kosten: Akzeptierten sie die Verdi-Forderungen, so müsste an anderer Stelle gespart werden, heißt es auf der Arbeitgeberseite. Dann müsste beispielsweise der Takt ausgedünnt werden. Das ist tarifpolitische Verhandlungstaktik, aber auch eine echte Gefahr, und würde das Ziel einer Verkehrswende unterlaufen.

Auf der anderen Seite kann es ebenso teuer sein, nicht in die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu investieren. Eine neue Fahrerin muss gesucht und eingearbeitet werden, die dünne Personaldecke führt zu Krankheit und hohen Lohnfortzahlungskosten – auch nicht erstrebenswert.

Schließlich ist die Politik gefordert, die Kassen der Kommunen zu füllen. Ihre Entscheidungen – etwa bei der Kostenverteilung des Deutschlandtickets – sorgen erst für die klammen Kassen.

ÖPNV muss staatliche Aufgabe sein: Er verbindet Menschen – mit ihren Familien, mit der Arbeit, dem Verein. Und er bindet sie an den Staat: Wer gut angebunden ist und sich nicht abgehängt fühlt, wird wahrscheinlich keine demokratiefeindliche Partei wählen. Auch die Unternehmen profitieren von einem stabilen Verkehrsnetz. Gut ausgestattete Verkehrsbetriebe mit zufriedenen und motivierten Beschäftigten sind also eine Investition, die sich auszahlt.

Klar: Der aktuelle Warnstreik ist ein Ärgernis, wenn etwa der Zoobesuch verschoben werden muss. Aber die Anliegen der Beschäftigten sind verständlich – und ein ein- bis zweitägiger Arbeitskampf ist zu verkraften. Vor allem, wenn das Wetter mitspielt.


© Frankfurter Rundschau