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Von Hunden und Menschen: Folgen fehlenden Austauschs

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09.03.2026

Von Hunden und Menschen: Folgen fehlenden Austauschs

Stand: 09.03.2026, 16:50 Uhr

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Tumb und feindselig kann werden, wer nicht mehr von anderen Menschen und Kulturen lernt.

Eigentlich sind mir Hunde mindestens egal. Schließlich bin ich weder blind noch alt und einsam, außerdem nicht Förster, Bauer, Drogenfahnder, Eskimo oder Bürger von Südkorea oder der Schweiz, wo diese Tiere verzehrt werden dürfen. Wäre ich also Eidgenosse, gäbe dies meinem Interesse an ihnen Nahrung. Aber so? Nun ja. Sie sind halt da. Unlängst gar rudelweise.

Die Rede ist von fünf broilerförmigen, schwabbeligen, kehrichtfarbenen Gebilden, spärlich beborstet und schwer atmend grunzend. „Oh Gott“, entfuhr es mir, und ich wunderte mich, warum ich ausgerechnet beim Anblick dieser Wesen an ihren angeblichen Schöpfer dachte. Daneben stand ein entgegen landläufigen Vorurteilen seinen Tieren gottlob nicht ähnelndes Frauchen. Es bemerkte mein Entsetzen und mühte sich um Milderung. „Die sind reinrassig“, sagte es stolz. Reinrassig. Das heißt wohl: so gewollt. Also kein Unfall, keine Laune des Herrn — sondern Ergebnis einer Zucht. Frauchen sagte noch etwas, das ich jedoch nur gedämpft vernahm. Ich war längst Opfer düsterster Gedanken geworden und trottete weiter.

Reinrassig. Zucht. Es steht ja geschrieben: „Seid fruchtbar und mehret euch.“ Mit wem wir dies tun sollen, bleibt unerwähnt. Gewiss aber ist damit nicht gemeint „Sucht euch welche, die aussehen wie ihr – und dann ran an den Speck“. Das Ergebnis von so etwas grunzte ja zwanzig Meter hinter mir auf dem Trottoir herum.

Ich blickte im Geiste in die Flora und Fauna und kam zu dem Schluss: Was sich züchten lässt, wird hässlich und doof. Nehmen wir doch mal die Lachse. Schwimmen Tausende von Kilometern durch die Meere, quälen sich dann mühsam ein Rinnsal hoch – nur um sich oben im Wald fortzupflanzen.

Oktopusse hingegen sind für solch einen Unsinn zu klug. Deswegen stemmen sie sich auch standhaft gegen Zuchtversuche. Ähnlich der Steinpilz. Ihn zu kultivieren, so der bedenkliche Fachbegriff, ist schwierig bis unmöglich. Ebenso wie bei dem Pfifferling, der seinen Namen nicht ohne Grund trägt. Anders hingegen die Champignons, die Dummköpfe ihrer Gattung. Sie würden sogar in den Fugenritzen des heimischen Badezimmers wachsen. Ihr Fortpflanzungsverhalten ähnelt frappierend dem des Homo sapiens in einer Großraumdisco auf Mallorca: Ist es warm, feucht und duster, wird auch schon losgerammelt.

Damit trugen mich meine Überlegungen bis hin zum Menschen – und da wurde es heikel. Kann man oben beschriebene Erkenntnisse auf ihn übertragen? Darf man das überhaupt? Eines jedenfalls ist klar: Fehlt uns der Austausch mit anderen Menschen und Kulturen, führt das zu Engstirnigkeit, Intoleranz, Tumbheit, Hässlichkeit und Feindseligkeit.

Das Fatale an dieser Entwicklung: Sie geschieht schleichend, die Betroffenen merken nichts davon. Nicht einmal, wenn es bereits zu spät ist. Sie halten sich für die Größten, die Besten, die Stärksten und die Klügsten, weil ihnen die Fähigkeit abhandengekommen ist, sich objektiv mit anderen zu messen. Wie auch, wenn keine anderen da sind? So schloss ich meine gedankliche Exkursion und spazierte weiter. Und seitdem sehe ich in jedem Straßenköter seine Anmut, Intelligenz und Schönheit und eine Bereicherung für unser Viertel. Und Hunde sind mir nun mindestens nicht mehr so ganz egal.


© Frankfurter Rundschau